31. Sigmarzeit 2512

Die Nacht blieb glücklicherweise ruhig, so daß wir einigermaßen ausgeruht am nächsten Morgen nach Tyr's obligatorischem Frühstück weiterfahren konnten.

Bis Grissenwald ging es ziemlich ruhig zu. Ab und an trafen wir ein Fischerboot oder ein gut beladenes Handelsschiff.
Gegen Mittag schließlich erreichten wir Grissenwald.

An den Piers war nicht viel los - ein paar Handelsschiffe, fast alle beladen mit Holz lagerten im Hafen. Auffällig war lediglich die große Werft, in der sicher auch Kriegsschiffe repariert werden konnten.
Wir legten also an, zahlten die Hafengebühr und gingen an Land. Dabei bemerkten wir, daß hier eigentlich nur Waren - im wesentlichen Holz - ausgeladen, jedoch keine neuen Waren eingeladen wurden. Die vollbeladenen Schiffe im Hafen hatten ihre Ladung wohl schon früher aufgenommen und machten hier nur einen Zwischenstopp.

Auch als wir in die Stadt kamen, fiel uns auf, daß alles etwas heruntergekommen und ärmlich wirkte. Auf dem Markt wurden nur wenige Güter angeboten und viele Häuser standen leer. Diese Stadt hatte sicher schon bessere Zeiten gesehen.
Unterwegs rempelte ein Zwerg Tyr an - offensichtlich darauf bedacht, einen Streit vom Zaune zu brechen - doch gewarnt von den Informationen der Handelsschiffe auf dem Wege hierher entschuldigte sich Tyr und wir gingen unbehelligt weiter.

Etwas abseits des Marktes sprach uns ein Händler an, ob wir Ware bräuchten. Nun, etwas Proviant käme uns sicher gelegen und so füllten wir unsere Vorräte nach kurzer Verhandlung wieder auf.
Schließlich beschlossen wir, uns zunächst mal in einer der hiesigen Kneipen umzuhören und dabei auch unsere hungrigen Mägen wieder zu füllen.

Die Auswahl war ohnehin nicht überwältigend und so nahmen wir einfach die erste, die am Wege lag.
Kaum hatten wir Platz genommen und unsere Bestellung aufgegeben, traten auch zwei Zwerge recht lautstark ein und pöbelten herum. Zunächst versuchte der Wirt sie zu beruhigen und gab jedem ein Bier auf Kosten des Hauses. Nachdem sie aber bereits nach kurzer Zeit wieder anfingen, rief auch Tyr laut zu ihnen herüber, daß er sie auf ein Bier einlade.
Leicht verwundert schauten sie zu Tyr und riefen ihn gleich zu sich. Wir holten schnell den Wirt zu uns und baten ihn, das Bier von Tyr mit Wasser zu verdünnen. Es schien ihm nicht sonderlich zuschmecken, daß wir sein gutes Bier derart verwässerten, aber er versprach dennoch, es für uns zu tun.
Dann ging Tyr zu den Zwergen und unterhielt sich mit ihnen.

Sie schienen froh zu sein, endlich wieder jemanden gefunden zu haben, mit dem sie so richtig saufen konnten. Das Bier floß jedenfalls in Strömen. Tyr konnte dank der "guten" Mischung auch entsprechend mithalten und so fingen die Zwerge an zu erzählen.

Alles fing eigentlich damit an, daß die Hexe ihnen die Mine weggenommen hatte. Der andere Zwerg warf dann aber ein, daß eigentlich Gorin Großhammer, ihr Vorstand, der Hexe die Mine verkauft hätte - obwohl bestimmt Gold in der Mine zu finden gewesen wäre! Aber ganz rechtmäßig war das wohl alles nicht, meinte daraufhin wieder der erste Zwerg, aber verkauft war nun einmal verkauft. Dabei war sie am Anfang ja sogar recht umgänglich - sie gab ihnen sogar den Auftrag, ein Haus in der Nähe der Mine zu bauen, was die Zwerge dann auch bereitwillig taten. Als es dann allerdings zur Bezahlung ging, hätten sie jedoch keinen müden Kreuzer gesehen!
Auf die Frage Tyrs, ob es denn unterirdische Tunnel oder Fluchtwege im Haus gebe, meinten die Zwerge, es wäre ein ganz normales Menschenhaus, ohne besondere Fluchtmöglichkeiten.

Dann fingen sie wieder über den Verlust der Mine zu klagen und nach einiger Zeit schließlich verabschiedeten sie sich und verließen die Kneipe.

Kurz nachdem die Zwerge gegangen waren standen zwei Bauern auf, die bislang unscheinbar an einem kleinen Tisch am Eck gesessen waren, riefen Tyr zu, er solle sich bloß nicht mit den Mordbuben einlassen und verließen auch das Lokal.

Der Wirt kam zu uns und bedankte sich nochmals bei uns, daß wir kein Aufsehen erregt und die Situation mit den Zwergen so ruhig gemeistert hatten. Dann fragten wir ihn, was eigentlich hier los sei und warum vorhin die Bauern so feindselig zu uns gesprochen hatten.
Daraufhin meinte der Wirt, daß in den letzten Tagen zwei Höfe niedergebrannt und ausgeraubt worden seien. Es wurden zwar keine eindeutigen Beweise gefunden, aber nachdem der Verkauf der Mine schon einige Zeit her sei und die Zwerge immer noch recht freizügig mit dem Geld umgingen, läge schon der Verdacht nahe, daß sich die Zwerge hier bedient hätten. Auf jeden Fall ist niemand hier in der Stadt gut auf die Zwerge zu sprechen.
Dann erkundigten wir uns noch nach Etelka Herzen. "Natürlich kenne er sie", meinte der Wirt - es sei eine ganz ehrbare Frau, die ausserhalb der Stadt in dem von den Zwergen gebauten Haus lebe. Die Mine habe sie jedenfalls völlig rechtmäßig erworben, alles andere wären nur Gerüchte. Er selbst hatte Etelka zwar noch nicht gesehen, aber mit einem Augenzwinkern bedauerte er es, denn sie soll angeblich eine sehr attraktive Frau sein.
Aber er wäre sowieso glücklich verheiratet, schickte er noch schnell hinterher und hätte daran sowieso kein Interesse.

In dem Moment kamen noch zwei weitere Gäste in die Stube und der Wirt verabschiedete sich von uns und wandte sich den beiden Männern zu.
Es schienen Händler zu sein, doch glücklich waren sie wohl nicht. Doch wundern konnte mich das nicht, bei der Warenauswahl hier in Grissenwald.

Dann riefen wir nochmals den Wirt, zahlten und gingen zurück auf die Morgenes.
Dort angekommen überlegten wir, wie wir mehr Informationen über die Mine und Etelkas Haus bekommen könnten. An besten würde es wohl sein, wenn wir direkt mit Gorin Großhammer, dem Anführer der Zwerge sprechen könnten. Vielleicht könnte er uns ja helfen, sein Schaden würde es nicht sein, denn schließlich muß ihm auch daran gelegen sein, wieder Frieden mit den Stadtbewohnern zu bekommen und möglicherweise sogar die Mine zurück zu erlangen.
Schließlich kam Tyr der Gedanke, daß wir ihm von Angels und seinen Problemen beim Bau des Semaphors erzählen sollten und wir ihm helfen wollten.

Mit dieser Strategie machten wir uns also auf den Weg zum Stadttor. Dort angekommen, fragte uns die Stadtwache, wo wir denn zu dieser späten Stunden noch hin wollten. Als sie hörten, daß unser Ziel die Siedlung der Zwerge sei, versuchten sie uns davon abzuhalten und warnten uns vor ihnen. Sie erzählten, daß bereits seit einem halben Jahr die umliegenden Höfe überfallen und verbrannt würden. Die Bauern, die dort gelebt hatten, wurden alle verbrannt oder verschleppt - gesehen wurde von ihnen nach einem Überfall niemand mehr.
Wir ließen uns überzeugen und kehrten zurück zur Morgenes.

Nachdem wir alle recht müde waren, hielt nur Ineluki Wache und wir legten uns gleich hin.