30. Pflugzeit 2512

Nach einem kurzen, traumlosen und wenig erholsamen Schlaf wurden wir im Morgengrauen wach. Kaum hatten wir uns fertig gemacht, erschien schon die Kutsche des Richters mit zwei Wachleuten. Zusätzlich waren Thomas Beregast und ein Schreiber in der Kutsche zugegen.
Kurz dahinter kam eine zweite Kutsche, die für uns bestimmt war. Begleitet wurde diese Kutsche von Aischa, die uns auf ihrem Pferd begleitete.

Wir stiegen ein, und fuhren sogleich los. Wir fuhren am Fluß entlang, bis zu einer Brücke, auf der wir den Fluß überquerten. Ich sah noch wie unmittelbar hinter uns vier Soldaten die Brücke sperrten und bewachten.
Wir fuhren in den Wald bis wir an eine Lichtung kamen. Dort hielten wir an und stiegen aus.

Alles war bereits vorbereitet - selbst Dr. Freimann und Jonas waren bereits anwesend. Auf einem Tisch lagen die verschiedensten Waffen, von jeder Sorte zwei Stück.
Der Richter und die beiden Wachleute gingen zu dem Tisch. Dann forderte der Richter Jonas und Tyr auf zu ihnen zu treten.
Mit deutlich hörbarer Niedergeschlagenheit in der Stimme sprach der Richter zu ihnen, daß nun nur noch ein Gottesurteil die Wahrheit ans Licht bringen würde, nachdem Hermann seine Taten bestreite. Damit stehe Aussage gegen Aussage und so möge Sigmar Gerechtigkeit walten lassen.
Er winkte kurz zu Aischa, woraufhin sie ihren Schleier abnahm, an den Tisch trat und die Waffen untersuchte. Nach kurzer Begutachtung bestätigte sie, daß die Waffen in Ordnung seien.

Der Knappe von Jonas ist inzwischen völlig unruhig geworden und schien jeden Moment anzufangen zu weinen. Doch er blieb standhaft.
Dann trat Jonas zu Aischa, verabschiedete sich und wählte seine Waffen.

Nachdem Jonas ungerüstet erschienen war, mußte auch Tyr seine Rüstung ablegen. Dann ging er an den Tisch, wählte einen Rapier und einen Linkshänder-Dolch und trat in die Mitte.
Der Barde wurde kreidebleich.

Der Richter nickte nur kurz und der Kampf begann.
Es war ein harter Schlagabtausch. Tyr wurde am Kopf getroffen, Jonas am Bein - doch beide kämpften weiter. Tyr parierte gut, doch auch Jonas war sehr behende mit seinem Wechsel aus Angriff und Verteidigung. Immer wieder fügten sich die beiden kleinere Verletzungen zu, doch keiner wollte aufgeben.
Schließlich gelang es Tyr Jonas schwer zu verletzen. Um dem Kampf ein Ende zu bereiten, versuchte Tyr Jonas zu entwaffnen - so bliebe er wenigstens am Leben. Doch Jonas wollte weiter kämpfen.

Es war ein bitterer Kampf. Jonas raffte sich noch einmal auf und hätte um ein Haar sogar noch Tyr schwer verletzt. Gerade rechtzeitig konnte Tyr seinem Angriff noch ausweichen und setzte ihm im Gegenzug den finalen Schlag zu.
Jonas brach getroffen zusammen.

Dr. Freimann lief sofort zu ihm hin, doch er konnte nur noch seinen Tod diagnostizieren.
Ich war in der Zwischenzeit bei Tyr und behandelte ihn. Tyr hatte es schlimmer erwischt, als es anfangs schien, doch mit etwas Ruhe würde er in ein paar Tagen wieder bei vollen Kräften sein.

Nach dem Kampf war es sehr still auf dem Platz. Es herrschte eine sehr gedrückte Stimmung. Der Barde ging noch einmal zu Tyr und bedankte sich bei ihm, woraufhin Tyr ihn fragte, ob es das wirklich Wert gewesen sei.
Der Barde antwortete nicht und ging mit gesenktem Kopfe seiner Wege.

Wir stiegen in unsere Kutsche und fuhren zurück auf die Morgenes. Tyr legte sich erst einmal in seine Kabine, um die nötige Ruhe zu bekommen und ich eröffnete meine Praxis.

Wir blieben noch den restlichen Tag in der bedrückten Stimmung. Tyr blieb in seiner Kabine, Ineluki und Sora vertrieben sich die Zeit, während ich mich durch meine Patienten zumindest etwas ablenken konnte.

Am Abend bereitete Tyr ein einfaches Abendessen. Wir unterhielen uns noch kurz über den Tag, wobei eigentlich keinem so recht nach Sprechen zumute war. Dann gingen wir alle früh schlafen.