29. Pflugzeit 2512

An diesem Morgen begleiteten wir Tyr in aller Frühe zu Aischa de la Roja, um sie um Rat wegen des Angebotes des Barden zu fragen.
Sie erklärte Tyr - und auch uns - daß die meisten Fälle dieser Art wären. Es gibt selten ein klares "Gut" oder "Böse". Oft sogar wäre sie gar nicht in der Lage genau zu beurteilen, ob ihr Kunde nun wirklich schuldig oder unschuldig war.
Auch in diesem Fall war die Situation unklar: er konnte Recht haben und nichts mit ihrem Kind zu tun haben, genauso könnte sie Recht haben und das Kind von ihm bekommen haben. Letztenendes mußte Tyr mit seinem Gewissen entscheiden, wem er mehr Glauben schenkte, oder ob er diesen Fall annehmen wollte.
Auf jeden Fall sei dies ein guter Einstieg in seine zukünftige Arbeit als Gerichtsstreiter und zudem könne er es sich gerade zu Beginn nicht unbedingt erlauben, zu viele Kunden abzulehnen. So etwas spricht sich auch herum.

Schließlich sagte Tyr, daß er den Fall wohl annehmen werde. Dann begann er sein Training mit Aischa während wir zurück zum "Reichen Mann" gingen.
Dort trafen wir den Barden und sagten ihm, daß Tyr ihn wohl vertreten werde. Allerdings möchte er ihm dies am Abend noch selbst sagen. Auf die Frage nach der Entlohnung bot er pro Tag 30 Kronen an. Schließlich wollten wir noch wissen, wie denn der Name des Adelshauses sei, worauf er den Namen "Schachner" nannte.
Dann gingen wir zurück zum Schiff - Ineluki zu Jakob Auermann, Sora und ich auf die Morgenes.

An diesem Tage lief die Praxis schon etwas besser. Langsam sprach es sich wohl in der Stadt herum, daß hier am Hafen noch ein weiterer Chirurg zumindest vorübergehend eine Praxis eröffnet hatte. So hatte ich immerhin sechs Patienten, denen ich allesamt gut helfen konnte.

Am Abend gingen Sora, Ineluki und ich wieder zusammen zum Haus von Hieronymus Blitzen, um Tyr von seinem Training abzuholen.
Wir nannten Aischa den Names des Adelshauses, woraufhin sie uns sagen konnte, daß die Familie Schachner zwei Söhne und eine Tochter - eben diese - hat. Beide Söhne sind Händler, wobei der eine vermutlich Duellant sei.
Mehr wußte aber auch Aischa nicht zu dem Adelshaus zu sagen.

Dann kam Hieronymus zu uns und fragte, ob wir auch noch mit anderen Kulten außer Tzeech zu tun hätten. Wir überlegten eine Weile, dann fiel uns der Name Etelka Herzen ein, den wir ihm nannten.
Kaum hatten wir den Namen gesagt, wurde Hieronymus ganz aufgeregt. Er warnte uns eindringlich vor ihr. Auf unsere Frage, wer sie denn sei, erzählte er uns, daß sie eine gefährliche Schwarzmagierin wäre. Ihre Ausbilung hatte sie in Altdorf genossen.
Weiterhin erwähnte er, daß er sie selbst in Altdorf kennengelernt habe. Schon damals waren ihre Künste gefürchtet, doch inzwischen dürfte sie um einiges möchtiger geworden sein. Angeblich kann sie sogar Untote beschwören.
Sie selbst soll sehr schön aussehen, doch ob das ihre wirkliche Gestalt ist, daß weiß keiner zu sagen.

Wir bedankten uns für die Informationen, verabschiedeten uns und gingen weiter zum Barden am Marktplatz.
Schon von weitem hörten wir seine unvergleichliche Stimme. Eine große Menschenmenge stand um ihn herum und lauschte seiner Musik.
Wir warteten das Ende seines Stückes ab - dann gaben wir ihm ein Zeichen, worauf er gleich zu uns kam.

Tyr eröffnete ihm, daß er beschlossen habe, seinen Fall zu übernehmen. Der Barde wirkte sehr erleichtert. Wir boten ihm daraufhin an, auf unserem Boot zu übernachten. Er müsse lediglich seine Sachen aus dem Hotel holen.
Dankbar nahm er unser Angebot an. Dann verabschiedeten wir uns von ihm und gingen zurück auf unser Schiff.

Kurze Zeit später erschien der Barde an unserem Bootssteg. Er schwitzte und war völlig außer Puste. Ganz aufgeregt rief er uns zu, daß seine Gegner bereits angekommen waren und er nun nicht mehr ins Hotel komme.
Wir beruhigten ihn und begleiteten ihn zum "Reichen Mann".

Dort angekommen bemerkten wir einige Pferde und Ponys, die wohl erst vor kurzem ihren Ritt beendet hatten. Wir wollten gerade ins Hotel gehen, als ein Mann herauskam und sein Schwert zog.
Mit funkelnden Augen sah er den Barden an, rief er ihm zu, daß er nun für seine Schandtat büßen werde und ging auf ihn zu. Geistesgegenwärtig stellte sich Tyr schützend vor den Barden.
Der Mann forderte Tyr auf zur Seite zu gehen, doch Tyr erwiederte nur unbeeindruckt, daß er Gerichtsstreiter sei und die Sache des Barden verteidigen werden. Daraufhin ließ der Mann sein Schwert sinken.

Der Mann stellte sich als Jonas Schachner vor. Mit einem leicht verächtlichen Blick fragte er Tyr, ob er wirklich gedenke das schädliche Tun des Barden zu verteidigen. Tyr erwiederte darufhin sehr diplomatisch, daß eine Medaille immer zwei Seiten habe (ich war überaus erstaunt vn Tyr).
Doch Jonas hörte gar nicht richtig zu. Er erzählte weiter, daß dieser Barde seine Schwester verführt und geschwängert hätte und sich nun seiner Pflicht entziehen wolle. Tyr antwortete nur, daß es ebensogut auch ein anderer gewesen sein könne.

Daraufhin zog Jonas seinen Handschuh und warf ihn vor Tyrs Füße. Dann sagte er, daß nun die Götter entscheiden mögen - am nächsten Tage vor dem ersten Hahnenschrei.

Dann holte der Barde seine Sachen aus dem "Reichen Mann".
Während wir warteten, kam noch ein Knappe zu Tyr und fragte ihn, ob er wirklich gegen seinen Herrn kämpfen werde. Tyr erwiderte, daß er es nur ungern täte, aber ihm bliebe keine andere Wahl. Da begann der Knappe jämmerlich zu weinen und rannte davon.
Tyr war sichtlich unwohl zumute.

Kurz darauf kam der Barde zurück und wortlos gingen wir alle zurück auf die Morgenes.
Der Barde bedankte sich nochmals kurz, dann zeigten wir ihm seine Kabine und gingen alle schlafen.