Berebelli

28. Jahrdrung 2512

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, war das Schiff, die Berebelli bereits unterwegs.
Wir fuhren durch den Kanal von Altdorf bis Weissbruck. Da es im Kanal keine Strömung gab, mußte das Schiff von Pferden gezogen werden. Es war genau Platz für zwei sich begegnende Schiffe.

Ich wusch mich und ging nach oben. Ti'Dyr schrubbte bereits das Deck und Gilda rief Volker irgendwelche Befehle zu. Josef stand am Ruder und genoß es sichtlich, wieder unterwegs zu sein.

Dann hörten wir Gilda, wie sie uns alle zum Frühstück rief. Sofort liefen alle unter Deck.
Es gab Eier, Speck Bohnen und etwas Weißbrot. Wir ließen es uns schmecken.
Beim Frühstück unterhielten wir uns noch einmal über den vergangenen Tag. Schließlich wollte auch Gilda und Volker wissen, was uns alles widerfahren war.
Etwas mißbilligend hörte sie uns zu. Auch Josef war über den Gang der Dinge nicht sonderlich glücklich, war aber froh über meine Hilfe.

Nach dem Frühstück untersuchte ich nochmals Tyr und Josef. Während Tyr bereits wieder vollständig genesen war, verordnete ich Josef nochmals etwas Ruhe am heutigen Tage.
Tyr ging dann (nach einem scharfen Blick von Gilda) sofort wieder an seine Arbeit.

Ich stand nur an der Reling, ließ mir den Wind um die Nase wehen und versuchte meine Gedanken zu ordnen.
Gerade mal eine Woche war es her, als Dr. Sulimann die Nachricht von den Sperlingen erhalten hatte und wir plötzlich aufbrachen. Und was hatte ich in dieser Zeit erlebt! Ich hatte neue Freunde kennengelernt - Freunde, die seltsamer, fremdartiger waren als alle Menschen, die ich bisher kennengelernt hatte. Lediglich Menschen wie Sora kannte ich zuvor. Mein Meister und ich waren schließlich des öfteren zu Behandlungen bei den Waldmenschen.
Ja, und dann das Erlebnis mit Dr. Morgenes und seinem furchtbaren Tod. Mir steckt der Schreck noch heute in den Gliedern.
Und dann ging plötzlich alles so schnell: unser Aufbruch, die Trennung von meinem Meister und Ersatzvater, die Begegnung mit diesen schwarzen Kreaturen, dem Chaos, wie wir es inzwischen nennen, mein Doppelgänger, Josef und schon wieder Flucht.
Ich hoffte, das hat alles irgendwann einmal ein Ende und ich kann wieder ganz in Ruhe meinem Beruf nachgehen. Aber damals sah es wahrlich nicht so aus!

Inzwischen ist es Nachmittag geworden, das Wetter meines es gut mit uns und wir erholten uns. Naja, mit Ausnahme von Tyr. Er hatte noch etwas zu tun.
Plötzlich sahen wir am Horizont hinter uns ein paar Reiter, die schnell aufschlossen. Sicherheitshalber gingen wir alle unter Deck.

Schon nach kurzer Zeit waren sie am Boot und fragten nach einer Abenteuergruppe. Gilda zeigte sich unwissend und fragte nur, warum sie denn gesucht werde. Kurz angebunden antworteten die Reiter, daß in Altdorf zwei Handwerker und ein Adeliger am gestrigen Abend getötet worden sind und diese Gruppe im dringenden Verdacht stehe, diese Taten verrichtet zu haben.
Dann ritten sie sehr schnell weiter.

Kurz darauf gingen wir wieder an Deck. Tyr arbeitete noch bis zum Abend, während wir unseren Gedanken nachhingen.

Am Abend legte Josef an einer Schleusenstation an und wir gingen von Bord. Gilda rief uns noch zu, daß wir nicht schon wieder Schwierigkeiten mitbringen sollen, doch Josef winkte ab.
Die Station war gut besucht, aber Wein und Essen waren schlecht. Wir unterhielten uns eine Weile, aber es kam keine rechte Stimmung auf und so gingen wir alsbald wieder an Bord und legten uns schlafen.