23./24. Sigmarzeit 2512

An diesem Morgen war Tyr immer noch sauer, daß wir Tags zuvor so über ihn gelacht hatten. Zugegeben, es war sicher nicht nett. Aber irgendwie hatte gestern einfach alles gepasst.
Auf jeden Fall beschloß Tyr, heute nur für sich zu kochen.

Ineluki hatte damit keine Probleme und kochte sich selbst ein gutes Frühstück. Sora und ich dagegen brachten nichts Anständiges zusammen, doch Ineluki erbarmte sich unser und gab uns etwas von ihrem Essen ab.
Anschließend ging ich wieder unter Deck und stellte weiter Schwarzpulver her.

Gegen Mittag kamen uns zwei Männer im Ruderboot entgegen. Sie waren mit Armbrüsten bewaffnet, trugen Seemannszeug und hatten beide Hüte tief ins Gesicht gezogen.
Sie sprachen Ineluki an und verlangten 300 Kronen für die sichere Durchfahrt. Etwas amüsiert fragte Ineluki, womit sie uns denn drohen wollten. Tyr kam ebenfalls an die Reeling und empfahl ihnen sich besser zu entfernen, andernfalls könnten wir nicht mehr für eine sichere Durchfahrt sorgen.

Plötzlich erschien jedoch in einiger Entfernung ein Kanonenboot und feuerte einmal auf uns. Die Kugel schlug dicht neben uns ein.
Damit sah die Sache schon wieder etwas anders aus.

Inzwischen hatte das Kanonenboot neu geladen und der Kanonier stand direkt an der Lunte. Die Kanone war ganz deutlich auf uns gerichtet. Und es war davon auszugehen, daß der nächste Schuß nicht mehr ins Wasser gehen würde.
Die beiden Männer im Boot sprachen uns wieder an und verlangten erneut ihre 300 Kronen. Wir empfanden die Summe ganz eindeutig zu hoch und begannen zu handeln. Doch egal was wir boten, sie blieben bei ihrer Forderung.

Nun war guter Rat teuer. Wir überlegten kurz uns auf einen Kampf einzulassen, doch das Risiko, die Morgenes zu verlieren war einfach zu hoch. Nachdem sie während unserer Verhandlung immer wieder betonten, daß sie das Geld für ihre kranken Familienangehörigen brauchten, versuchte ich noch ein letztes Angebot und bot ihnen meine Hilfe an. Doch auch dieses Angebot wollten sie nicht annehmen.
Scheinbar war die ganze Geschichte mit den kranken Familien nur erfunden, denn es ging ihnen nur um das Geld - reine Piraterie.

Wir wollten schon resignieren und schweren Herzens die 300 Kronen zahlen, als plötzlich Sora die beiden Männer in einer fremdartigen Sprache anredete. Verblüfft antworteten sie und bereits nach kurzer Zeit waren Sora und die beiden Männer in eine rege Unterhaltung vertieft, von der wir allerdings kein Wort verstanden.
Auf einmal machte einer der beiden Männer im Boot dem Kanonenboot ein Zeichen und es fuhr zur Seite! Dann winkten uns auch die Männer weiter und Ineluki fuhr sehr erstaunt an dem Ruderboot und kurz darauf auch am Kanonenboot vorbei.

Kaum waren wir an der Gefahr vorüber bedrängten wir Sora mit Fragen. Natürlich wollten wir wissen, was sie gesprochen hatten und vor allem, wie es ihr gelungen war, daß sie uns kostenlos passieren ließen.
Sora erzählte uns, daß diese Leute ihresgleichen waren und daß auch ihr Dorf auf die gleiche Art und Weise überfallen worden war. Sie hatten ihnen - nachdem klar war, daß sie ein ebenso schweres Schicksal hatten - Kräuter zur Linderung und Heilung angboten, doch sie lehnten das Angebot ab.
Dann sagten sie zu Sora, daß wir zukünftig auch freie Durchfahrt hätten; wir müßten lediglich eine rote und eine schwarze Flagge hissen.

Erfeut über diese überraschend positive Wendung der Geschehnisse fuhren wir weiter. Bis zum Abend hin hatte sich auch die Laune von Tyr wieder soweit gebessert, daß er sich wieder bereit erklärte, für alle zu kochen.
Wir freuten uns natürlich und dankten ihm. Dann ging er in die Kombüse und bereitete das Abendessen zu - natürlich nicht ohne dabei auch die Fische zu vergessen.

Nach dem Essen fuhren wir noch ein bischen weiter. Wir waren alle an Deck, denn es war einer der schönsten Sonnenuntergänge seit langer Zeit. Man merkte, daß langsam Sommer wurde.
Als die Sonne schließlich untergegangen war, ankerte Ineluki. Dann fuhr sie mit Sora ans Ufer und Sora legte einige Fallen aus.

Dann legten wir uns schlafen.
Gegen Mitternacht hörten wir Wolfsgeheul. Ich hoffte nur, daß dies nicht von Soras Falle herkam.

Am morgen fuhren wieder Ineluki und Sora ans Ufer und sahen nach den Fallen. Mein Verdacht wurde bestätigt. Sie brachten einen Wolf mit auf die Morgenes. Sein Lauf war durch die Falle gebrochen.
Was sollten wir machen? So konnten wir ihn unmöglich wieder in die Wildnis lassen. Also holte ich meinen Koffer betäubte ihn, legte einige Kräuter auf seinen Lauf und verband ihn anschließend. Tyr bot an, sich um den Wolf zu kümmern.
Ich ging wieder unter Deck und stellte weiter Schwarzpulver her.

Inzwischen änderte sich auch die Landschaft: die morastigen Wiesen wurden langsam abgelöst durch Wälder, festeren Boden und dem in weiter Ferne sichtbare Gebirge.
Gegen Nachmittag kam die Sonne ganz aus den Wolken heraus und es wurde recht warm. Wir kamen gut voran und die Stimmung war gelöst. Tyr kümmerte sich sehr gut um den verletzten Wolf.

Zu Abend bereitete Tyr wieder etwas zu und kurze Zeit später ankerte Ineluki an einer geeigneten Stelle.
Ich wechstelte nochmal die Verbände des Wolfs und ging dann schlafen. Tyr blieb die Nacht über an Deck und pflegte den Wolf.