16.-18. Sigmarzeit 2512

Jetzt sollte es also losgehen: erst nach Kemperbad und dann nach Griessenwald. Hier würden wir erstmals bewußt dem Chaos gegenübertreten. So richtig wohl war mir nicht dabei, aber das war wohl meine Bestimmung im Gefüge der Welt.

Wir legten also ab und schon bald bruzelte das Frühstück in der Kombüse. Kurz darauf bruzelte ein zweites Frühstück und dann stieg wieder der unverwechselbare Duft von gebratenem Schinken, Eiern und gegrilltem Brot durch das Schiff.

Unterwegs bemerkte Sora auf einmal jenen Adeligen, der ihr vor einigen Monaten in einer Kutschstation seine "Kräuter" zeigen wollte. Er fuhr in einer Kutsche auf der Straße, die parallel zum Fluß ging.
Er hatte wohl auch sie gesehen, denn plötzlich trieb er seine Pferde zu noch höherer Geschwindigkeit an. Ineluki versuchte zwar ebenfalls etwas mehr aus der Morgenes herauszuholen, doch gegen seinen Sechsspänner hatten wir keine Chance.
Bald schon war er nicht mehr zu sehen.

Am Nachmittag schrubbten Tyr und ich das Deck, dann wollte Tyr ein paar Fechtübungen mit Sora machen.
Ich war in meinem Buch vertieft, so daß ich erst nach einiger Zeit mitbekam, was an Deck passierte. Eigentlich wurde ich es erst durch das Lachen Inelukis gewahr.

Sora hatte einen Holzstecken und Tyr griff an. Doch sein Angriff wirkte auf einen Laien wie mich so unbeholfen, daß ich sofort in lautes Gelächter ausbrach. Ich war mir auch ziemlich sicher, daß das so nicht geplant war, denn er fiel förmlich auf Sora, so daß sie ihm eigentlich nur mit dem Stecken hätte treffen müssen.
Etwas verstimmt versuchte Tyr es ein zweites Mal. Doch was immer er auch versuchen wollte - es mißlang im fürchterlich. Es sah beim zweiten Mal beinahe noch komischer aus als zuvor.
Dann schließlich im dritten Versuch bekam er Soras Stecken und schleuderte ihn mit dem Rapier im hohen Bogen über Bord. Dennoch mit sich unzufrieden - und vor allem, nachdem wir ihn alle beobachtet hatten - ging er schnurstracks unter Deck.

An diesem Abend wird auch sein Abendessen etwas "dunkler", aber wir aßen alle ohne einen einzigen Kommentar. Doch Tyr Laune hatte sich inzwischen wieder gebessert und so versuchte er nach dem Abendessen etwas zu angeln. Leider waren ihm die Fische nicht so wohlgesonnen wie wir, denn sie dachten nicht daran zu beißen.

Etwas später entdeckten wir auf einem Hügel irgendeine Konstruktion, von der merkwürdige Lichtzeichen ausgingen. Es war sicherlich nichts zufälliges - eine ganze Zeit lang kamen diese Signale, mal kurze Lichtzeichen, dann mal wieder längere. Es mußte sich um irgendeine Botschaft handeln, aber von uns kannte leider niemand die Bedeutung dieses Lichtspiels.
Nach einiger Zeit hörten sie dann schließlich ganz auf und Dunkelheit umgab uns. Ineluki hatte inzwischen bereits geankert und wir begannen unsere Wache.

Die Nacht blieb glücklicherweise ruhig, so daß wir alle unseren verdienten Schlaf bekamen.

Der Tag begann wie so viele Tage zuvor auf dem Fluß. Ein kurzen Früstück, Anker lichten und weiter ging es. Das Wetter meinte es gut mit uns, den eine frische Brise trieb uns schnell in Richtung Kemperbad.
Ich war den größten Teil des Tages unter Deck und versuchte erneut, Schwarzpulver herzustellen, doch ich war noch etwas zu unsicher und so mißlang mir mein Experiment - zum Glück ohne weitergehenden Folgen. Unser Schiff blieb unberührt.

Am Abend bereitete Tyr uns ein gar köstliches Mal, welches wir uns gut schmecken ließen. Danach übernahmen wieder Ineluki und ich die erste Wache.
Auch diese Nacht blieb ruhig und so bekamen wir alle wieder genügend Schlaf für den nächsten Tag.

Doch auch der achtzehnte Sigmarzeit war ein ruhiger, gemächlicher Tag auf dem Fluß. Alles ging seinen normalen Gang, das Wetter war immer noch gut und wir würden, wenn es so bliebe, ein paar Tage eher als erwartet in Kemperbad eintreffen.

Gegen Nachmittag erreichten wir die Flußgabelung des Reik und sahen oben auf dem Felsen eine große Burg. Sie war von hohen Mauern umgeben - Zinnen ragten weit sichtbar empor. Zudem konnten wir nicht wenige Kanonen erkennen, die zu beiden Seiten des Flußes zielten.
Es mußte sich wohl um eine Zollstation oder eine Wachanlage des Imperators handeln.
Wir zogen jedoch daran vorbei und folgten dem Lauf des Reik.

Etwas später begnete uns noch ein Handelsschiff, das wir natürlich sogleich nach neuesten Nachrichten aus Kemperbad befragten. Der Händler berichtete uns, daß der Kemperbader mit der neuen Steuer noch teurer sei und sich nur noch wenige ihn leisten könnten. Er selbst habe Holz geladen; damit handele er seit Jahr und Tag und hat noch keinen schlechten Schnitt gemacht.
Darauf erzählten wir ihm, daß es nicht derzeit nicht lohne, in Altdorf zu verkaufen.
Er schaute uns etwas verdutzt an und meinte daraufhin, daß niemand in Altdorf Holz verkaufen würde. Dann verabschiedete er sich und zog weiter.
Nun, da hatten wir wohl wieder eine Lektion gelernt!

Auch dieser Abend und die Nacht blieben ruhig, so daß wir ausgeruht am nächsten Tag weiterfahren konnten.