15. Sigmarzeit 2512

Am nächsten Morgen ließen wir dann doch das Frühstück ausfallen - wir wollten den Tag nicht gleich schlecht beginnen. Es wurde noch schlimm genug!

Wir fuhren recht zeitig los und kamen auch gut voran.
Je näher wir nach Altdorf kamen, um so mehr Händler, Bettler, Patrouillen und andere Reisende kamen uns entgegen oder überholten wir.

Am Nachmittag schließlich erreichten wir den Marktplatz von Altdorf, an dem der Kutscher das Ende der Reise verkündete. Wir verabschiedeten uns bei ihm und gingen schnurstracks zur Morgenes.
Wir wurden bereits von Anton dem Zimmermann empfangen und so ließen wir uns sogleich die erledigten Arbeiten zeigen. Wir waren sehr zufrieden und so bezahlten wir ihm anstandslos den ausgemachten Betrag.
Dann gingen wir noch zu den beiden Wachen und gaben auch ihnen den Lohn für ihre Tätigkeit. Sie bedankten sich und gingen mit einem Lied auf den Lippen gleich ins nächste Gasthaus.

Wir beschlossen, noch einmal in die Stadt zu gehen und vielleicht doch noch etwas Ware aufzunehmen.
Nachdem wir ja bekanntermaßen kaum noch Geld hatten, gingen wir als erstes zu einem Goldschmied um den Wert meines Ringes und eines Ringes von Ineluki schätzen zu lassen.

Gesagt, getan.
Wir fanden schon bald einen Goldschmied, dessen Auslage einen wohlhabenden Eindruck machte und traten ein. Sofort kam uns ein gut gekleideter Mann entgegen, fragte nach unserem Anliegen und ließ uns, da er noch andere Kundschaft hatte, in ein Separee führen und Tee bringen.
Es war eine sehr angenehme Atmosphäre!

Nach kurzer Zeit bereits kam der Geschäftsführer, Hans Goldmeister, zu uns und fragte nach den Gegenständen, die wir zu verkaufen gedenken.
Zunächst zeigt Ineluki ihren Ring. Er begutachtete ihn eine Weile. Dann meinte er, daß es sich um alte und sehr schöne Elfenarbei handelte. Er fragte Ineluki, ob sie noch mehr Stücker dieser Art besorgen könnte. Es soll bei Marienburg noch eine Elfensiedlung geben, doch ihm sei es bislang noch nicht gelungen, mit ihnen ins Geschäft zu kommen.
Hier wurde Ineluki hellhörig. Ich denke, sie wollte nach dieser Info auf jeden Fall beizeiten mal nach Marienburg.

Dann fragten wir nach dem Preis, den er bieten würde. Herr Goldmeister überlegte kurz, dann bot er 1500 Kronen.
1500! Das war nicht von schlechten Eltern! Und Ineluki hatte eine ganze Menge Schmuck umhängen - sie war mehr Wert als unser Boot einschließlich einer kompletten Ladung!

Ineluki nahm den Ring zurück und zeigte ihm dann meinen neu erworbenen Ring. Auch ihn schaute er genau an, meinte daß es sich um sehr feine Menschenarbeit handen würde und bot uns 750 Kronen.
Es war kein schlechter Preis für eine einzige Operation! Soviel hatte ich bislang noch nie mit einer einzigen Behandlung verdient. Dennoch beschlossen wir, noch nichts zu verkaufen und leer nach Kemperbad zu fahren. Dort könnten wir immer noch einen Ring verkaufen und hierfür Ladung kaufen.
Also bedankten wir uns bei ihm und empfohlen uns für ein nächstes Mal. Dann gingen wir zurück auf unser Schiff.

Doch kaum waren wir auf dem Schiff, merkten wir, daß etwas nicht stimmte. Tyr war kaum in seiner Kajüte, da hörten wir es schon über das ganze Schiff:"Meine Waffen! Alle weg! Dieses Diebesgesinde wenn ich erwische!" Und So ging es in einer Tour.
Aber es kam noch schlimmer! Nicht nur die persönlichen Waffen, nein - auch alle gelagerten, die wir bislang gefunden und erbeutet hatten waren weg. Wir waren so dämlich! Wir konnten wir die Wachen wegschicken und in die Stadt gehen? Es war zum Haare ausreißen. Aber das Unglück ließ sich nicht ungeschehen machen.
Jetzt blieb uns nichts weiter, als noch mal in die Stadt zu gehen und mit dem verbliebenen Geld zumindest die wichtigsten Waffen für Tyr und Sora wieder einzukaufen. Denn so brauchten wir erst gar nicht losfahren!

Also machten wir uns nochmals auf den Weg zum Schmied und ließen uns einige Waffen zeigen. Ganz konnten wir den Verlust natürlich nicht mehr ersetzen, dafür reichten einfach unsere Barmittel nicht mehr aus. Aber zumindest erstanden wir einen guten Zweihänder, eine Axt, einen Parierdolch und einen Flegel für Tyr, sowie ein normales Schwert für Sora.
Immer noch deprimiert nahmen wir unsere Waren, bezahlten und gingen abermals zurück auf die Morgenes.

Dort angekommen bereitete Tyr ein Abendessen zu. Keiner konnte es ihm verdenken, daß der erste Versuch ziemlich mißraten war - zu tief saß noch der Schmerz über den Verlust der guten Waffen.
Schließlich (mit dem zweiten Versuch) aßen wir alle in bedrückter Stimmung zu abend und planten unsere Weiterfahrt.
Nach dem Abendessen beschafften wir ausreichend Proviant für die Fahrt bis Kemperbad. Wir verstauten sie an Bord und legten uns sogleich schlafen.
Diesen Tag - insbesondere sein Ende - wollten wir alle möglichst schnell vergessen.