15. Pflugzeit 2512

Am nächsten Morgen hing dichter Nebel über dem Fluß. Tyr war alleine in der Kombüse und bereitete das Frühstück zu. Mit einem Auge bemerkte ich, daß er wieder zu seiner alten, recht proviantintensiven Technik zurückgekehrt war. Das Küchenfenster öffnete sich kurz und mit einem unterdrückten Fluch verschwand der erste Versuch des Frühstücks im Fluß.
Aber irgendwie ging das noch alles an mir vorbei, da ich noch ziemlich müde von der Arbeit im Labor war.

Es dauerte aber nicht lange, da hatte Tyr das Frühstück fertig. Der Nebel drückte auch etwas auf unsere Stimmung, denn wir aßen alle schnell und schweigsam.
Danach ruderten Sora und Ineluki ans Ufer, um die Fallen zu kontrollieren. Es dauerte nicht lange, da kamen sie zurück: Ineluki war rot vor Wut! Ich fragte, was geschehen sei, doch Ineluki war kaum in der Lage zu antworten, so sehr schäumte sie.
Schließlich erzählte sie, daß in einer der Fallen die Hand von Lisa lag, ganz in violett eingefärbt.

Ich spürte, wie auch mich die kalte Wut packte. Das ging zu weit! Es wurde allerhöchste Zeit herauszufinden, wer hinter dieser violetten Hand steckte, um diesem Wahnsinn ein Ende zu bereiten!
Doch dann kam uns noch ein Gedanke: wir mußten verfolgt worden sein! Anders hätte uns niemand genau an hier Stelle dieses schreckliche Zeichen hinterlegen können. Es bedeutete auch, daß unsere Verfolger zu Pferde unterwegs waren, denn Lisa war in Altdorf entführt worden und wir waren noch am gleichen Tage abgereist.
Niemand hätte diese Strecke so schnell zu Fuß zurücklegen können!

Dennoch hatten wir keine Wahl. Unsere Verfolger waren für uns noch unsichtbar, so mußten wir zunächst unseren Weg fortsetzen.
Also setzten wir die Segel, Tyr holte den Anker ein und Ineluki ging ans Ruder.

Ich denke, wir waren alle noch wütend - und damit etwas unkonzentrierter als sonst. Ich sah nur noch wie der Segelmast sich plötzlich löste und zum Ruder hin bewegte. Bevor wir irgend etwas machen konnten, hatte er bereits Ineluki am Kopf getroffen und sie fiel bewußtlos zu Boden.
Sofort sprang Tyr ans Ruder, doch das Schiff machte was es wollte. Es gelang ihm nicht mehr, die Morgenes in ruhiges Fahrwasser zu bringen und auf einmal hörten wir alle ein häßliches Knirschen - ein Ruck ging durch das Schiff - und wir saßen fest!

Der Tag hatte schon schlecht begonnen - warum sollte er also gut weitergehen?
Nachdem das Schiff zur Ruhe gekommen war, ging ich sofort zu Ineluki und kümmerte mich um sie. Es war eine häßliche Beule, doch zum Glück war nichts schlimmeres passiert.
Ich behandelte sie und nach kurzer Zeit kam sie wieder zu sich - und hatte heftige Kopfschmerzen! Hoffentlich konnte sie in diesem Zustand noch unser Schiff lenken!

Doch im Moment hatten wir noch ein ganz anderes Problem: wir saßen fest! Hinzu kam noch, daß hier nur noch vereinzelt Schiffe vorbeifuhren - es könnte Stunden, wenn nicht Tage dauern, bis wir hier weg kämen.
Also mußten wir versuchen, uns aus eigener Kraft zu befreien. Dazu stieg Tyr über die Reling auf die Sandbank und sah sich den Schaden von unten an. Als er wieder hoch kam meinte er, daß wir es eventuell schaffen könnten. Allerdings mußte uns Ineluki trotz ihrer Schmerzen helfen, denn nur zu dritt hätten wir keine Chance.

Wir befestigten also Seile an der Reling und stiegen hinab in den Fluß. Das Wasser floß gemächlich - es gab keine nennenswerte Strömung - aber es war empfindlich kalt!
Dann zogen wir an - nichts tat sich.
Wir versuchten es nochmals - ein leiser Ruck ging durchs Schiff, aber es bewegte sich kaum.
Langsam ließen die Kräfte nach, doch noch wollten wir die Hoffnung nicht aufgeben und versuchten es ein drittes Mal.

Wir hatten kein Glück - das Schiff bewegte sich keinen Fingerbreit.
Also kletterten wir wieder zurück ins Boot, trockneten und wärmten uns auf. Jetzt hieß es nur noch warten und hoffen.

Es dauerte zum Glück nicht allzu lange, da kam ein Patrouillienboot vorbei. Wir hielten es an und fragten, ob sie uns helfen könnten.
Ohne großen Federlesens warfen uns die Männer ein Seil herüber, daß wir am Bug befestigten.
Dann zog ihr Boot an. Das Seil spannte sich und schien schon fast zu reißen - dann endlich bewegte sich unser Schiff und glitt hinaus auf den Fluß.
Wir waren wieder frei!

Hoch zufrieden bedankten wir uns bei den Männern und warfen ihnen noch ein paar Münzen als Belohnung herüber. Sie dankte ebenfalls und fuhren bald weiter.

Ineluki übernahm wieder das Ruder und wie fuhren weiter gemächlich den Fluß entlang. Lediglich die Segelarbeit übernahm nun Tyr, nachdem Ineluki noch nicht ganz bei Kräften und von Schmerzen gepeinigt war.

Es dauerte nicht lange, da schwamm eine Kiste an unserem Boot vorbei.
Geistesgegenwärtig nahm sich Tyr eine Stange, hielt die Kiste fest und holte sie hoch.
Als wir sie öffneten, trauten wir unseren Augen nicht: die Kiste war angefüllt mit Tuch aus reinster Seide! Das war sicherlich ein kleines Vermögen wert.
Sofort verstauten wir die Ware in unserem Lager.

Etwas merkwürdig kam uns das ganze allerdings schon vor. Schließlich wirft niemand einfach eine Kiste mit Seide in den Fluß.
Es dauerte nicht lange, da erhielten wir die Antwort. Eine Leiche kam uns kopfüber schwimmend entgegen. Da ich am nächsten an der Reling stand, nahm ich die Stange und versuchte die Leiche heraus zu fischen. Dummerweise bekam ich den Körper nicht so recht zu packen - ich verlor das Gleichgewicht und fiel ins Wasser.

Sofort rief ich um Hilfe (ich konnte ja nicht schwimmen!). Zum Glück hörten mich die anderen und warfen mir sofort ein Seil zu. Ich schnappte es und hielt mich daran fest. Dann zogen sie mich mit vereinten Kräften wieder aus dem Wasser.
Das war gerade noch mal gut gegangen! Ich hustete noch das restliche Wasser aus und wollte unter Deck gehen, um mich zu trocknen, da geriet das Boot plötzlich auf Schlingerkurs!

Tyr rannte zu Ineluki ans Ruder und half ihr so gut er konnte. Mir wurde Angst und Bange. Jedesmal wenn ich dachte, das Schiff würde das Ufer rammen, gelang es Tyr oder Ineluki gerade rechtzeitig dieses zu verhindern - und mit voller Fahrt auf das andere Ufer zuzusteuern!
Dieses ging einige Male hin und her - ich war kurz davor mich zu übergeben - bis sie schließlich mit vereinten Kräften die Morgenes wieder auf Kurs brachten.

Erleichtert fuhren wir weiter, wobei Tyr bei Ineluki am Ruder blieb um möglichst schnell helfen zu können. Sie schien doch noch sehr geschwächt.
Es dauerte nicht lange, da sahen wir zwei Boote in der Flußmitte stehen: ein kleineres Fischerboot und ein größeres Flußschiff, ähnlich unserem Handelsschiff.
Ineluki fuhr vorsichtig seitwärts an das größere Schiff heran. Als wir hinüber schauten, sahen wir auf Deck verstreut einige Leichen liegen.

Tyr befestigte das Schiff mit unserem und ging hinüber. Ich folgte ihm.
Wir durchsuchten kurz das vordere Deck, doch überall lagen nur Leichen herum. Dann wollten wir hinunter zu den Kabinen, doch kaum hatte Tyr einen Fuß auf die Treppe gesetzt, pfiff ein Bolzen haarscharf an seinem Ohr vorbei. Sofort rannten wir die Treppe hinab und sahen unten einen gut gerüsteten Mann, der uns bereits mit seinem Schwert erwartete.

Zunächst schien er ein harter Gegner zu sein, denn er setzte Tyr ziemlich unter Druck. Doch es dauerte zu Glück nicht allzu lange, bis Tyr die Oberhand bekam und ihn schwer am Arm verletzte. Allerdings kam Tyr nicht mehr dazu ihn endgültig zu töten, denn plötzlich drehte der Mann sich um und rannte davon.
Wir setzten ihm natürlich sofort nach, verfehlten ihn jedoch. Dann rannten wir hinterher.

Kaum waren wir ein paar Schritte im Gang flogen vor und hinter Tyr plötzlich die Türen von zwei Kabinen auf. Heraus stürmten drei ebenfalls gut gerüstete Männer, die sich sofort um Tyr und mich kümmerten.
Den Flüchtigen mußten wir wohl oder übel zunächst vergessen.

Ich war glücklicherweise nicht eingekeilt, daher beschloß ich so schnell wie möglich zu fliehen um Hilfe zu holen.
Ich rannte also die Treppe hoch, wobei mein Verfolger noch versuchte mir einen Schlag zu verpassen. Dann rannte er hinter mir her.

Tyr beschäftigte sich inzwischen mit den anderen beiden Männern, die ebenfalls recht kampferprobt schienen. Ich hoffte nur, daß er bald mit ihnen fertig würde, denn allzu lange konnte ich meinen Verfolger nicht beschäftigen.
Es wurde ein harter Kampf. Tyr teilte gut aus, mußte aber auch ebenso einstecken. Schließlich gelang es ihm, einen der beiden mit einem gezielten Hieb niederzustrecken.
Als das der andere sah, versuchte er zu fliehen, um einem ähnlichen Schicksal zu entgehen. Doch ehe er das Weite suchen konnte, verpaßte Tyr auch ihm noch einen Schlag in den Rücken, der ihn ebenfalls tödlich verwundete.

In der Zwischenzeit hielt ich meinen Angreifer in Schach, ohne ihn jedoch merklich zu treffen. Zum Glück hatte er auch kein Erfolg mit seinen Angriffen, so daß ich bis auf ein paar kleinere Blessuren noch unverletzt blieb.

Vom Kampflärm angezogen kamen alsbald auch Sora und Ineluki auf das Schiff. Sora erkannte sofort meine brenzlige Situation und griff in den Kampf ein.
Ineluki ging zur Reling, um sich noch in eine bessere Position zu bringen - und wurde dort von einem weiteren Mann angegriffen, der plötzlich über die Reling kam.

Während ich also meinen Gegner in Position hielt konnte Sora ihn mit einigen gezielten Pfeilschüssen töten. Ich war heilfroh, denn meine Kraft ließ langsam nach und lange hätte ich ihm sicher keinen Widerstand mehr geleistet.
Ineluki hatte leider weniger Glück. Ihr Gegner war ihr deutlich überlegen und verletzte sie mit zwei gezielten Hieben so schwer, daß sie bewußtlos zusammenbrach.

In dem Moment kam auch Tyr die Treppe herauf, sah Ineluki am Boden liegen und rannte sofort zu dem Mann an der Reling, der gerade versuchen wollte Sora anzugreifen. Es dauerte nicht lange, da hatte Tyr den Mann überwältigt und hielt ihn mit seinem Schwert in Schach.

Ich hatte die Zeit inzwischen genutzt, mich um Ineluki zu kümmern. Sie hatte glücklicherweise keine Blutungen, sondern lediglich einen schweren Schock. So bekam ich sie bald wieder zu Bewußtsein.

Von nun an überstürzten sich die Ereignisse: Ineluki wachte auf, Tyr hatte den Mann überwältigt und drohte ihm mit seinem Schwert und dann kam zu allem Übel ein weiterer, ganz in schwarz gekleideter Mann über die Reling, der einen anderen Mann festhielt und mit einer Bolzenschußpistole bedrohte.
Der Schwarzgekleidete sprach Tyr an und forderte den Mann heraus, den Tyr festhielt.

Es war eine schwierige Entscheidung. Wir kannten weder den Angreifer, noch sein Opfer, noch den Mann den Tyr in seinen Armen hielt. Dennoch widerstrebte es uns, einen Mann einfach unter einer solchen Drohung auszuliefern.
Er war zwar allein, aber seine Position war dennoch nicht schlecht. Wir waren vom Kampf geschwächt und er hatte eine Pistole, mit der er (bei sachgemäßer Anwendung, was wir jedoch alle annahmen) einen von uns töten konnte, bevor der Kampf überhaupt begann. Wenn dies Tyr wäre, hätten wir ein echtes Problem!

Wir versuchten mit ihm zu verhandeln, wollten zumindest den Grund seines Wunsches erfahren. Doch es entstand nicht unbedingt eine Vertrauensbasis (die Bedingungen waren auch extrem schwierig: es gehört schon einiges dazu, unser Vertrauen zu gewinnen, nachdem er mit seinen Leuten ein Schiff überfallen und die gesamte Mannschaft niedergestreckt hatte).

Die Verhandlungen steckten daher sehr schnell in einer Sackgasse, als Tyr ohne jede Vorwarnung seine Geisel auf den schwarzgekleideten Mann warf, sein Schwert zog und ihn angriff.
Geistesgegenwärtig riß der Mann seine Pistole herum, schoß auf Sora und zog ebenfalls sein Schwert, während er den auf ihn geworfenen Mann mit der anderen Hand beiseite fegte.
Sora brach getroffen zusammen. Dann traf Metall auf Metall.

In dem Moment rannte ich zur Reling und hole die dort liegende Armbrust. Als ich jedoch wieder zurück war, mußte ich feststellen, daß es unmöglich war zu schießen. Die Gefahr Tyr zu treffen war einfach zu groß.
So blieb mir nichts weiter, als den Kampf zu beobachten.

Es war ein würdiger Gegner. Tyr zeigte sein ganzes Können, doch dieser Mann war ihm mehr als ebenbürtig.
Aber je weiter der Kampf ging, um so mehr drängte mir der Verdacht auf, dieser Mann wäre einfach unverwundbar. Keine Verletzung schien ihn zu beeindrucken, kein Treffer zu stören.
Zudem kämpfte er mit einer Schnelligkeit, daß mir Hören und Sehen verging. Wie lange würde Tyr hier standhalten können?

Wir mußten irgend etwas unternehmen. Doch ich fühlte mich so hilflos in der Situation - ein Schlag von diesem Mann hätte mich ins ewige Nichts gefegt.
Dann sah ich wie Ineluki sich konzentrierte und einige merkwürdige Bewegungen mit den Händen vollführte. Einen Moment später sank der Mann in sich zusammen.
Sofort begannen wir ihn auszuziehen und seiner Waffen zu entledigen. Dann fesselten wir ihn gründlich. Während Tyr ihn mit einem Schwert an seinem Hals bewachte, gingen Ineluki und ich unter Deck.

Die erste Kabine war gut ausgestattet, ein Sekretär von edlem Holze, ein kleiner Tisch mit einer Karaffe, zwei Stühle. Im Sekretär fanden wir alles was dort auch hinein gehört: Schreibutensilien, Schreibpapier, verschiedene Dokumente - aber keinen Hinweis auf etwas ungewöhnliches.
Wir konnten ja später den Raum noch einmal gründlich durchsuchen. Zunächst wollten wir weiter und einen Blick in die anderen Kabinen werfen.

Das hätte ich besser bleiben lassen! Der Anblick, der sich mir im nächsten Raum bot, war derart Grauenhaft, daß ich es keine Sekunde länger aushalten konnte und sofort wieder auf Deck lief, während Ineluki noch weiter suchte.
In dem Raum lag eine Frau, größtenteils nackt, auf das furchtbarste gefoltert. Es gab kaum eine Stelle an ihrem Körper, die nicht entstellt, gepeinigt oder blutig war. Und sie war offensichtlich an ihrer Folter gestorben - der Tod muß die reinste Erlösung für sie gewesen sein!

Ich habe als Arzt schon viel gesehen, aber das überstieg alles bisherige bei weitem! Der dies getan hatte, war für mich kein Mensch mehr!

Oben bei Tyr und Sora hatte sich nicht viel verändert. Der ehemals schwarzgekleidete Mann lag nach wie vor gefesselt und bewußtlos, gut bewacht von Tyr am Boden. Sora hatte inzwischen noch zwei Pergamente gefunden, die sie mir gab.
Ich las sie und berichtete den beiden. Die Schriftrollen wiesen ihn als Hexenjäger im Auftrage Ulrics aus. Er hatte die Befugnis, im Rahmen seines Auftrages alle Mittel die notwendig waren zu ergreifen. Dies schoß Folter und Mord mit ein.
In dem Moment sah ich noch einmal die Frau vor meinem geistigen Auge und mir wurde wieder schlecht.

Kaum hatte ich das Pergament vorgelesen, erwachte der Mann. Immer noch sehr wütend befragten wir ihn nach seinem Auftrag, nach der Leiche, seinen Methoden.
Er sagte nicht viel. Er forderte nur seine Kleidung und seine Ausrüstung zurück, dann würde uns nichts geschehen.
Dies machte uns natürlich noch wütender und so bedrängten wir ihn weiter mit Fragen.

Nach einer Weile kam Ineluki wieder zu uns hoch. Sie hielt ein weiteres Pergament in ihrer Hand und forderte mich auf, den Mann den Tyr vor seinem Kampf in seinem Gewahrsam hielt, zu fesselt. Ich sah Ineluki erstaunt an, doch ich erfüllte ihr den Wunsch. Der Mann protestierte zwar, doch Soras Klinge brachte ihn zur Einsicht.

Dann ging Ineluki zu ihm hin und zeigte ihm das Schriftstück. Sofort wendete er seinen Kopf ab. Ängstlich wimmerte er, daß wir den Mörder seiner Frau endlich bestrafen und ihn freilassen sollten.
Dann zeigte Ineluki das Pergament dem anderen Mann. Dieser besah es sich kurz und identifizierte es als eine chaotische Beschwörungsformel, geschrieben in Blut.
Er fragte Ineluki, wo sie das gefunden hatte, denn danach habe er die ganze Zeit gesucht. Sie erzählte ihm, daß das Pergament sehr gut versteckt im Sekretär gelegen war. Dann diskutierten wir, was wir nun machen sollten. Obwohl wir die Methoden des Hexenjäger beileibe nicht gut heißen konnten, so hatte er doch zumindest recht, daß hier Chaos war, das es zu bekämpfen gab. Der andere Mann, der sich als Besitzer dieses Schiffes herausstellte, rief uns an, daß dies alles nicht stimme und er nichts von der Existenz dieses Papiers gewußt habe. Wir sollten endlich dem Mörder seine gerechte Strafe geben.

Wir glaubten ihm kein Wort, denn keiner wendet seinen Kopf so schnell weg, wenn er nicht weiß, um was für eine Schriftrolle es sich handelte. Sicher, dieser Mann war nur ein Bote des Chaos, aber dennoch konnte man ihn nicht einfach gehen lassen.
Schließlich beschlossen wir, den Hexenjäger wieder frei zu lassen und ihm sein Opfer zu übergeben.

Als wir seine Fesseln gelöst und ihm seine Ausrüstung zurück gegeben hatten, bedankte er sich kurz und stellte sich als Kaine vor. Wir nannten auch unsere Namen. Dann gaben wir ihm den Mann, dem die Angst im Gesichte stand und uns immer wieder beschwörte, daß wir einen großen Fehler machten. Kaine stieg daraufhin in sein kleines Fischerboot uns sagte, daß wir das Schiff behalten können. Dann fuhr er davon.

Kaum war er weg fiel von uns allen eine gewaltige Anspannung ab. Endlich Ruhe! Der Kampf war vorbei! Doch es gab noch viel zu tun.
Zunächst kümmerte ich mich um Sora und Ineluki, die beide schwere Verletzungen davongetragen hatten.

Wir gingen also wieder zurück auf unsere Morgenes, wo ich schließlich beide gut versorgen konnte. Dann verordnete ich ihnen allerdings strenge Ruhe, denn sonst bestand die Gefahr, daß sich die Wunden wieder öffneten und den Heilungsprozeß stoppten.
Dann ging ich zurück auf unser neues Boot und reinigte mit Tyr zusammen das Deck.

Es war reinste Knochenarbeit! Zunächst warfen wir alle Leichen über Bord - mir schmerzten da schon die Arme - dann begannen wir alle Sachen die wir fanden auf die Morgenes zu transportieren. Die Ausbeute war nicht schlecht: einige Waffen, Schiffsausrüstung, Ladung - es war kein schlechtes Schiff.
Darüber ist es jedoch so spät geworden, daß wir beschlossen, das Deck erst morgen zu reinigen. Wir bespritzten das Deck lediglich mit viel Wasser, damit das Blut nicht noch mehr eintrocknet.

Dann gingen wir vollkommen geschafft zurück auf die Morgenes und legten uns schlafen, wobei ich mir zuvor noch meine Blessuren behandelte.
Ich glaube, ich hatte nicht einmal gespürt als mein Kopf das Kopfkissen berührte, da war ich schon eingeschlafen.