14. Pflugzeit 2512

Am nächsten Morgen - nach einem guten Frühstück - hielt eine Fuhre der Ärztegilde vor unserem Schiff und brachte meine Alchemistenküche. Die Diener brachten alles unter Deck in mein (neu geschaffenes) Labor und stellten die Gerätschaften auf.
Es waren wirklich tadellose Gerätschaften - diese waren ihr Geld wert! Hier würde ich sicher bald den einen oder anderen Trank herstellen können.

Als die Bediensteten alle Kisten ausgeladen hatten, übergaben sie mir noch das Schriftstück mit der Erlaubnis der Ärztegilde von Altdorf, eine Alchemistenküche führen und darin Tränke, Mixturen und Drogen bereiten zu dürfen.
Dann gingen sie von Bord und Tyr begann, alle Regale, Platten und Tische ordentlich zu befestigen.

Es dauerte nicht lange, da erschien bereits die nächste Kutsche vor unserem Schiff. Diesmal war es die des Herrn Hohenzoll, die uns zur Händlergilde bringen sollte.
Wir stiegen also ein und es dauerte nicht lange bis wir das Haus der Händlergilde erreichten. Dort meldeten wir uns am Empfang, fragten nach Herrn Hohenzoll - wobei wir deutlich zu erkennen gaben, daß wir erwartet würden - und gingen in die beschriebene Richtung.

Dem Haus war eindeutig der Reichtum seiner Mitglieder anzusehen: edle Hölzer, feine Stoffe, edle Teppiche an den Wänden und überall kleine Nischen, in denen man sich ungestört unterhalten und ein Geschäft abschließen konnte.
Schließlich erreichten wir den Raum des Herrn Hohenzoll. Auch dieser war ähnlich reich ausgestattet wie schon der Rest des Hauses.

Freundlich empfing Herr Hohenzoll uns, bat uns Platz zu nehmen und schenkte uns einen erstklassigen Wein ein. Dann entschuldigte er sich noch einmal für sein plötzliches Verschwinden, ohne jedoch näheres darüber zu erzählen und fragte nach, ob wir denn auch unser Geld erhalten hätten, was wir ihm bestätigen konnten.

Dann kam er zum Geschäft.
Nachdem wir ihm erzählt hatten, daß wir in Richtung Delbertz unterwegs seien, empfahl er uns Holz oder Wein. Den Wein bot er uns für 2000 Kronen, das Holz für 6000 Kronen für eine ganze Schiffsladung an.
Nachdem wir gerade unser Händlerleben begonnen hatten, waren wir natürlich noch etwas knapp bei Kasse. Etwas kleinlaut mußten wir Herrn Hohenzoll erklären, daß dies unsere derzeitigen finanziellen Möglichkeiten überstieg.
Ohne mit der Wimper zu zucken bot er uns daraufhin die halbe Schiffsladung Wein für 1000 Kronen an, was wir dankbar annahmen.

Dies war wirklich ein gutes Angebot, denn normalerweise hätte jeder Händler einen Aufschlag verlangt, wenn ihm nur die Hälfte abgenommen wird. Langsam reifte in uns die Gewißheit, daß wir im Anschluß an Delbertz nach Kemperbad fahren und Herrn Hohenzoll einiges an Wein kaufen würden.
Diese Handelsbeziehung sollten wir gut pflegen!

Nachdem wir den Handel abgeschlossen hatten, lud und Herr Hohenzoll noch zum Mittagessen ein. Auf dem Weg durch die Händlergilde zur Gaststätte hörten wir noch, daß dem Kronprinzen inzwischen ein Rattenschwanz gewachsen sei und er nun auch schon vom Chaos besessen sei.
Das würde in meinen Augen auch diesen völlig absurden Erlaß erklären!

Nach dem Essen, daß im übrigen ausgezeichnet war - langsam wurde mir auch klar, warum Händler mit zunehmendem Alter zu einer gewissen Fülle neigten - verabschiedete sich Herr Hohenzoll von uns.
Dann brachte uns seine Kutsche zurück zum Hafen.

Nachdem wir schon bald wieder aufbrechen wollten, mußten wir uns hier mit allen für die Fahrt notwendigen Dingen eindecken.
Zunächst kauften wir Proviant für sieben Tage, dann füllten wir unsere Bestände an Öl, Kerzen und Ersatzplanken auf. Wir ließen alles an Bord bringen.
Dann schauten wir uns noch weiter um, doch unsere inzwischen arg geschrumpfte Geldbörse ließ keine allzu großen Sprünge mehr zu.

Auf einmal stellten wir fest, daß Lisa nicht mehr bei uns war!
Sofort machten wir uns auf die Suche. Wir durchsuchten den gesamten Verkaufsraum, gingen zum Vorplatz, fragten nach einem Hinterausgang und wollten schon dort hinaus gehen, als mir ein kleiner Bub einen Zettel übergab.
Bevor ich ihn etwas fragen konnte, war er auch schon wieder in der Menge verschwunden.

Die Sache wurde ja immer schlimmer! Dennoch suchten wir weiter nach Lisa, doch letztenendes blieb sie verschwunden.
Jetzt konnten wir nichts mehr für sie tun. Sie in Altdorf zu suchen war schwieriger, als eine Nadel im Heuhaufen zu finden.

Wir beschlossen, sofort abzulegen.
Ich war noch nicht auf dem Schiff, da fühlte ich mich schon wieder beobachtet. Irgend etwas stimmte hier ganz gewaltig nicht! Ich war heilfroh, die Stadt verlassen zu können.

Ineluki legte souverän ab und wir fuhren in Richtung Delbertz. Kaum hatten wir das Hafengebiet verlassen, wurde es wieder besser und meine Stimmung stieg an. Sofort wollte ich das neue Labor nutzen. Ich verabschiedete mich also von den anderen und ging unter Deck.
Mein erstes Experiment sollte die Herstellung von etwas Schwarzpulver sein. Dies war verhältnismäßig leicht herzustellen und war dennoch besonders bei Adeligen sehr begehrt, da sie es für ihre Pistolen und Musketen benötigten.

Unterwegs begegneten wir einer Karawane von drei Schiffen, auf denen lebhaft musiziert und getanzt wurde. Scheinbar feierten die Zigeuner gerade ein Fest. Es war ein buntes Treiben an Bord.

Gegen Abend, nachdem Ineluki einen guten Ankerplatz gefunden hatte, fuhren Ineluki und Sora ans andere Ufer und Sora stellte Fallen auf. Ich blieb immer noch im Labor, denn die Herstellung war zwar einfach aber auch recht zeitaufwendig.
So ließ ich mir dann auch das Abendessen ins Labor bringen, denn eine längere Unterbrechung hätte zum Scheitern des Experiments geführt.

Während der Nacht hielt Ineluki Wache. Ich blieb noch lange im Labor, bis ich endlich mein erstes selbst hergestelltes Schwarzpulver in den Händen hielt.
Müde und sehr zufrieden ging ich schließlich ins Bett.