11./12./13. Pflugzeit 2512

Die nächsten Tage verliefen alle im gleichen Trott. Gemächlich zogen uns die Pferde den Kanal in Richtung Altdorf, während wir unseren Verrichtungen nachgingen. Ineluki und ich lasen die meiste Zeit, Sora spielte viel mit Lisa, während Tyr, nachdem er wieder einigermaßen genesen war, an seiner Kampftechnik feilte.
Jeden Abend gingen wir ins Fährhaus in der Hoffnung, vielleicht doch noch den Mann mit der Keule zu finden, aber wir hatten kein Glück. Langsam mußten wir uns an den Gedanken gewöhnen, daß dieser Mord ungesühnt bleiben würde.

Am Nachmittag des dreizehnten Pflugtag schließlich erreichten wir Altdorf.
Nachdem bereits den ganzen Tag über Schiffe angelegt hatten, war der Pier erwartungsgemäß von Menschen und Schiffen überfüllt. Überall tummelten sich Schiffer, Händler und Schauerleute. Dazu kam noch das übrige Gesindel, was sich an jedem größeren Hafen findet.

Bevor wir uns überhaupt überlegt hatten, wie wir denn unsere Wolle bestmöglich verkaufen, kam bereits ein recht gut gekleideter Händler auf uns zu und fragte uns nach unserer Ware. Wir sagten ihm, daß wir gute Wolle geladen hätten - er könne sie sich gerne ansehen.
Er schien interessiert und kam an Bord. Er stellte sich als Herr Hohenzoll vor. Dann führten wir ihn in den Laderaum, zeigten ihm die Wolle, während gleichzeitig Tyr ihm etwas von unserem guten Kemperbader anbot. Seine Laune verbesserte sich zusehends und er fragte, ob wir ihm nicht mehr von diesem Wein liefern könnten.
Wir erklärten ihm, daß Kemperbad leider nicht in unserer Richtung lag, aber auf dem Rückweg würden wir an ihn denken und dann vielleicht ein paar Ladungen für ihn reservieren. Allein der Gedanke schien ihm sehr gut zu gefallen, denn über den Preis der Wolle verhandelte er nicht lange und gab uns die stattliche Summe von 1000 Kronen!
Dann tranken wir noch den Rest des Weins und sprachen uns auch fürderhin für eine gute Handelsbeziehung aus. Schließlich bot er mir an, mich bei meinem Besuch in der Ärztegilde zu begleiten und lud uns gleichzeitig in die Händlergilde ein. Dankbar nahmen wir sein Angebot an.
Dann ging er von dannen.

Froh über den guten Start in unsere Handelskarriere winkten wir gleich ein paar Schauerleute herbei, die und die Wolle ausluden und für Herrn Hohenzoll bereit legten.

Nach etwa einer Stunde erschien dann die Kutsche des Herrn Hohenzoll. Ein Page stieg aus und bat uns einzusteigen.
Dann fuhren wir zunächst zum Gildenhaus der Ärzte bei dem uns Herr Hohenzoll bereits erwartete. Drinnen stellte Herr Hohenzoll mich vor, erledigte die notwendigen Formalitäten während ich lediglich erklären mußte, ob ich vorhatte hier länger zu praktizieren. Nachdem ich dies verneinte, gab auch in dieser Hinsicht keine Probleme und ich nutzte die Gelegenheit und bestellte mit gleich ein gut ausgestattetes Alchemielabor (welches ich durch den nicht gerade geringen Einfluß des Herrn Hohenzoll zu einem sehr günstigen Preis erwerben konnte) mit der dazugehörigen Bescheinigung der Gilde, dieses führen zu dürfen.

Das hatte schon mein Meister immer wieder betont: mit den richtigen Leuten im Bunde öffnen sich dir Tür und Tor. Dieser Herr Hohenzoll schien zumindest ein recht angesehener Händler in Altdorf zu sein, denn in einer Stadt wie dieser ist der Umgang mit der Ärztegilde normalerweise immer etwas schwierig.
Wir sollten darauf achten, den Kontakt möglichst aufrecht zu erhalten. Wer weiß, wozu es noch gut sein kann.

Dann verließen wir die Ärztegilde und wollten hinüber zum Gildenhaus der Händler gehen. Unterwegs wurde Herr Hohenzoll angesprochen und unterhielt sich leise in einer mir fremden Sprache. Selbst Ineluki verstand nur die Worte "Norden", "Nuln" und "Nurgle".
Nach dem Gespräch war Herr Hohenzoll bleich im Gesicht und wirkte sehr erregt. Er entschuldigte sich bei uns und bat uns, daß wir ihn morgen in der Gilde besuchen kommen. Er müßte jetzt noch etwas sehr dringendes erledigen.
Bevor wir ihn fragen konnten, was denn geschehen sei, war er bereits verschwunden.

Also gingen wir zurück zur Kutsche und ließen uns zurück auf unser Schiff fahren. Dort angekommen warteten bereits zwei weitere Pagen mit einer Schatulle. Sie sprachen uns an und übergaben mir das Geld für die Wolle. Dann fuhren sie gemeinsam mit der Kutsche zurück.

Nachdem inzwischen der Abend hereingebrochen war, machten sich Lisa und Tyr in der Kombüse zu schaffen und bald darauf gab es wieder ein vorzügliches Abendessen.

Wir waren alle noch etwas geschafft von den vielen neuen Erlebnissen, den Erfahrungen als frisch gebackener Händler und unserem ersten, recht erfolgreichen Handel. Schon planten wir unsere nächsten Stationen, die Ware die wir kaufen und wieder verkaufen würden, die neuen Tätigkeiten, die wir nun lernen mußten.
Es dauerte nicht lange und uns fielen die Augen zu, so daß wir uns alle recht bald in unsere Kajüten begaben.