9./10. Sigmarzeit 2512

Soweit ich mich noch erinnern kann, war am neunten Tage der Sigmarzeit überhaut nicht besonderes passiert. Es war endlich einmal einer der Tage an denen wir uns etwas von den Strapazen und Aufregungen der vergangenen Tage erholen konnten.
Nach dem Frühstück verzog ich mich sogleich in mein Labor und stelle eine weitere Portion Schwarzpulver her. Ich war insofern sehr froh, daß wir keine größeren Störungen hatten, denn das ist etwas, was ich bei diesem Prozedere wirklich nicht gebrauchen kann.
Die anderen erzählten mir beim Abendessen, daß wir unterwegs noch einem Patrouillenboot und einigen Fischerbooten begegnet waren. Ansonsten sind wir recht langsam dahin gedümpelt, da immer noch kaum Wind ging. Immerhin konnten wir in der Ferne schon Altdorf erkennen. Es würde wohl nicht mehr lange dauern, bis wir unser Ziel erreichen.

Das Abendessen war an diesem Tage leicht angebrannt (Tyr war wohl mit seinen Gedanken woanders ...) aber ich habe davon ohnehin nicht allzu viel mitbekommen nachdem ich die ganaze Zeit im Labor mit Kohle zu tun hatte.
Anschließend teilten wir uns die Wache wie an den Tagen zuvor und auch in dieser Nacht geschah zum Glück nichts weiter, so daß ich kurz nach MItternacht in Ruhe schlafen konnte.

Schon bei meiner Morgentoilette bemerkte ich, daß der Wind aufgefrischt hatte. Es würde nun nicht mehr lange dauern bis Altdorf.
So aßen wir nur kurz zu Frühstück und brachten anschließend das Schiff in Ordnung. Tyr schrubbte das Deck, Sora kümmerte sich um die Kabinen und ich reinigte mein Behandlungszimmer und räumte das Labor auf.

Gegen neun Uhr erreichten wir schließlich Altdorf. Gekonnt legte Ineluki an und entrichteten sogleich unsere Liegegebühr.
Dann zogen wir los in die Stadt.

Doch kaum haben wir uns von Hafen entfernt, drehte sich Ineluki auf einmal um und packte den Mann, der unmittelbar hinter ihr ging. Wütend fauchte sie ihn an, daß er sie bestohlen habe, doch der Mann bestritt alles.
Es dauerte nicht lange, bis einige Wachleute zu uns kamen und fragten was denn los sei. Ineluki gab nochmal ihre Beschuldigung zum Besten worauf die Wachmänner den Mann festnahmen und uns auch mit auf die Wache baten.

Dort angekommen befragte der Hauptmann Ineluki nochmals kurz zu dem Vorfall, dann bat er Tyr, Sora und mich hinauszugehen. Etwas verständnislos fragten wir natürlich nach dem Grund, doch wir erhielten keine Antwort, sondern wurden nur nochmals nachdrücklich gebeten den Raum zu verlassen.
Was sollten wir tun? Wir konnten uns nicht gegen die Stadtwache stellen - das hätte nur unnötig Ärger verursacht. Also gingen wir hinaus.

Kaum waren wir draussen, ging ein weitere Mann in den Raum des Hauptmanns. Irgendwie kam mir das alles sehr merkwürdig vor, aber uns blieb nicht anderes übrig als zu warten.
Nach einiger Zeit kam der Hauptmann schnellen Schrittes aus dem Raum und lief irgendwo hin. Es dauerte nicht lange, da erschien der Hauptmann wieder und ging ebenso schnell wieder in seine Stube.
Schließlich kamen Ineluki und der Hauptmann heraus und wir verließen zusammen die Wache. Ich bin mir sicher, daß wir Ineluki befragten was denn nun vorgefallen sei, ob sie ihr Geld denn zurück erhalten habe und ob der Mann festgenommen wurde, doch leider kann ich mich nicht mehr genau daran erinnern, was sie damals sagte. Es war einfach schon zu lange her.

Dann gingen wir zur Händlergilde - schließlich wollten wir unser Holz profitabel verkaufen.
Bei der Händlergilde angekommen, bitten wir Herrn Hohenzollern zu sprechen. Doch hier wird uns gesagt, daß er gar nicht in der Gilde zugegen ist, sondern auf seinem Landgut verweilt. Dieses seit gut zwei Tagesreisen von Altdorf entfernt.
Etwas enttäuscht verabschieden wir uns und beschlossen, ihn zu besuchen. Den Kontakt zu einem wohlhabendem Hädler sollte man immer gut pflegen.

Unterwegs kamen wir an einer Kutscherei vorbei und erkundigten uns nach einer Fahrt. Kurzerhand orderten wir eine Kutsche für den nächsten Tag. Dann gingen wir zurück zum Hafen und wollten dort unser Holf verkaufen. Schließlich brauchten wir unbedingt etwas Geld.
Bei den Händlern am Hafen erlebten wir dann die nächste Enttäuschung. Alle boten sie weniger als das was wir für die 55 Behältnisse bezahlt hatten!
Nein, mit Verlust wollten wir unsere Ware nun auch nicht verkaufen. Also mußten wir mit dem auskommen, was wir noch hatten und ließen das Holz im Lagerraum. Ärgerlich gingen wir zurück auf unser Schiff.

Wir gingen unter Deck und wollten uns von dem schlechten Beginn des Tages erst mal erholen. Doch es kam mal wieder alles ganz anders.
Kaum waren wir im Gang zu unseren Kabinen - Tyr ging vorweg - rief Tyr auf einmal "Halt!" und wir blieben stehen. In Tyr´s Tür steckte ein schwarzer Dolch!
Das war sicherlich kein gutes Zeichen. Wir gingen ein paar Schritte zurück und mit gezückter Klinge öffnete Tyr vorsichtig die Kabinentür.

Auf einmal stieg mir der allzu bekannte Geruch von Schwarzpulver in die Nase und ich rief zu Tyr: "Zurück!" - doch es war schon fast zu spät. Tyr schaffte zwar noch zwei Schritte, die ihm vermutlich das Leben gerettet haben, aber ganz entkam der der nachfolgenden Explosion nicht mehr.

Es war ein mächtiger Wummms mit einer ordentlichen schwarzen Rauchwolke. Der Raum wurde praktisch vernichtet. Tyr hatte zum Glück nur leichte Verletzungen abbekommen.
Sobald sich die Rauchschwaden gelichtet hatten, gingen wir hinein. Trotz der Explosion war eines offensichtlich: der Raum war durchsucht worden. Irgend jemand wollte nicht nur Tyr schaden, sondern hat auch etwas Bestimmtes gesucht. Vielleicht wollte er nicht einmal Tyr schaden, sondern lediglich von seiner Durchsuchung ablenken, aber das würden wir so schnell wohl nicht erfahren.

Jetzt hatten wir erst mal ein anderes Problem, denn angelockt durch den weit hörbaren Kanall erschienen Schaulustige und sehr bald auch Wachen am Hafenkai.
Letztere wollten natürlich an Bord, um sich einen Überblick über die Lage zu verschaffen. Wir baten sie herunter.

Unter Deck erzählten wir kurz, was vorgefallen war und Ineluki übergab dem Wachmann den schwarzen Dolch. Dieser öffnete ihn (zu meinem Erstaunen muß ich zugeben) und zog ein kleines Pergament hervor. Auf diesem stand geschrieben: "Verlasse Altdorf, solange ihr noch könnt!".
Eine mehr als deutliche Warnung!

Wir unterhielten uns noch kurz mit den Wachleuten, dann verabschiedeten sie sich und verließen unser Boot. Sobald sie weg waren, ging ich in mein Labor und schaute nach dem Schwarzpulver. Es war weg!
Nicht nur daß sie unser Schiff beschädigt hatten - nein, sie haben es mit meinem Schwarzpulver gemacht. Die ganze Arbeit war völlig umsonst!
Dann diskutierten wir, wer dies getan haben könnte und was, außer der eindringlichen Warnung vielleicht noch bezweckt wurde. Letztendes kamen wir jedoch zu keinem Ergebnis.

Jetzt blieb nur noch ein Problem: das Schiff mußte wieder repariert werden und unsere Barmittel waren erschöpft. So blieb uns nichts anderes übrig, als unser Holz mit Verlust zu verkaufen. Es würde wohl noch einige Zeit dauern, bis wir richtig erfolgreich handeln würden!
Nachdem wir wieder über Bares verfügten, heuerten wir am Hafen zwei Leibwachen für unser Schiff an. Ihr Preis war auch nicht von schlechten Eltern, aber nach der Explosion war das zu allzu verständlich.
Immerhin kannten sie einen guten Schiffzimmerer - Anton, den wir sogleich aufsuchten und ihm den zerstörten Raum zeigten. Er machte uns einen fairen Preis und so schlugen wir ein.

>Inzwischen war es über die ganzen Ereignisse Abend geworden und wir kehrten zurück auf unser Schiff. Tyr bereitete das Abendessen, war es über Bord und wir aßen noch eine Kleinigkeit (gut gegrillten Stockfisch) am Hafen.
Anschließend reinigten wir das Schiff noch soweit es ging und legten uns schlafen. Wir hatten ja noch eine Kabine übrig, in die Tyr solange einzog, bis seine wieder repariert war.