07. Pflugzeit 2512

Am nächsten morgen werden wir nicht wie bisher durch den würzigen Geruch von gebratenem Speck, Bohnen und Eiern geweckt, denn Tyr, unser neuer Küchenchef, stand mit uns auf und bereitete erst nachdem er sich gründlich gewaschen hatte das Frühstück.
Es war die gleiche Prozedur wie am Tag zuvor: der erste Versuch war für die Fische im Fluß, der zweite dagegen recht lecker. Ineluki hatte inzwischen schon wieder Fahrt aufgenommen und wir segelten direkt hinter Josephs Schiff her.
Nach dem Frühstück legte sich Tyr noch einmal hin, während Sora, Ineluki und ich die Fahrt genossen. Auch heute zeigte Ineluki ihr ganzes Talent und blieb nur dicht hinter Joseph, der anerkennend zu uns hinüber sah.

Nach einer Weile kam uns ein bunt geschmücktes Boot entgegen, wie wir es bereits auf unserer Hinfahrt getroffen hatten. Es war wieder eines der Zigeunerboote, bunt und voller Leben.
Zunächst wollten sie Joseph, Volker und Gilda weissagen oder allerlei Tand verkaufen. Doch als diese nur abwinkten kamen sie zu uns, um hier ihr Glück zu versuchen. Sie priesen vollmundig und mit großen Gesten ihre Ware an und wollten Tyr unbedingt einen Talisman verkaufen. Aber nachdem wir ihnen schließlich deutlich zu erkennen gaben, daß wir kein Interesse hatten, fuhren sie weiter.

Durch diese kleine Unterbrechung war Joseph natürlich schon ein gutes Stück vor uns. Doch das schien Ineluki überhaupt nicht zu stören - ganz im Gegenteil, es schien ihren Ehrgeiz erst so richtig angestachelt zu haben. Denn von nun an fuhr sie noch gewagter und schneller als vorher - es war schon fast unheimlich mit anzusehen.
Es dauerte nicht lange, da lagen unser Schiff und die Berebelli gleichauf. Wir grinsten hinüber, grüßten - und Ineluki zog vorbei!
Wir hörten Joseph etwas von "Anfängerglück" brummeln und sahen wie Gilda aufgeregt herum deutete. Joseph schien nun auch Ehrgeiz zu entwickeln und wollte wieder aufholen, doch es gelang ihm am heutigen Tage nicht mehr.

Am Abend folgte die uns inzwischen bekannte Prozedur Tyrs: Brandgeruch aus der Kombüse, ein kurzes Fluchen, etwas schwarzes fliegt durch das Kombüsenfenster und schließlich, etwas eine viertel Stunde später, Wohlgeruch und die Aufforderung zum Abendessen.
Das Essen war wie schon zuvor sehr schmackhaft. Aber die Art der Zubereitung - insbesondere der recht hohe Ausschußanteil - deuteten mir an, daß wir beim Einkauf unseres Proviants in der nächsten Stadt die doppelte Menge berücksichtigen sollten. Aber vielleicht würde sich das ja im Laufe der Zeit auch noch ändern!

Nach dem Abendessen ankerten wir an einer guten Stelle in der Flußmitte, da es inzwischen schon wieder dämmerte.
Kurz darauf kam auch Joseph und gesellte sich zu uns. Er wirkte noch ein wenig grummelig - so ganz hatte er seine "Niederlage" wohl noch nicht verwinden können. Aber nach ein paar freundlichen Worten und einer Flasche Wein war seine Stimmung wieder besser und er nahm es uns nicht weiter übel.

Sora wollte noch unseren rasch schwindenden Proviantvorrat aufbessern und ein paar Fallen am Ufer aufstellen. Also ruderte ich sie und Tyr, der zu unserem Schutz mitkam, herüber.
Drüben angekommen hielten wir uns etwas zurück während sie nach den besten Plätzen Ausschau hielt und ab und an eine Falle aufstellte. Nach kurzer Zeit war sie fertig und wir ruderten zurück.

Inzwischen war es stockdunkel geworden und wir wurden langsam müde. So teilten wir nur noch die Wache für die Nacht ein und gingen dann schlafen.