05./06. Sommerzeit 2512

Das Glück war nicht auf unserer Seite. Auch an diesem Morgen regnete es wie aus Kübeln. Unser Schiff mußte also noch länger auf seine Reparatur warten.
Während wir auf dem Schiff frühstückten, legte noch ein weiteres Handelsschiff schwer beschädigt im Hafen an. Ich wollte nicht wissen, wieviele Schiffe noch da draußen waren und gegen den Sturm und den Regen kämpften - oder schlimmer noch, den Kampf bereits verloren hatten!

Nach dem Frühstück beschlossen wir den Tag für Einkäufe zu nutzen. Ich brauchte unbedingt ein neues Hemd und einen neuen Mantel, da diese durch den Angriff des Dunkelelfen zerstört worden sind.
Gesagt, getan. Wir gingen los und fanden schon bald einen sehr guten Schneider, der uns die Sachen machen konnte. Bei der Gelegenheit kleidete sich auch Ineluki neu ein - er hatte wirklich wunderschöne Stoffe.
Unsere Barschaft wurde dabei allerdings auch auf ein Minimum reduziert - das gemeinsame Abendessen im neuen Gewande mußte wohl ausfallen.

Nachdem der Schneider die Maße genommen hatte und er uns versprach, alles bis heute Abend fertig zu haben, gingen wir zurück zum Hafenmeister.
Kaum waren wir bei ihm, versicherte er uns auch sogleich, daß unser Schiff auf jeden Fall zuerst repariert würde - schließlich waren wir auch zuerst da (und außerdem war die Reparatur auch schon bezahlt). Dann erkundigten wir uns nach den Kargen Höhen.
Gar schaurige Dinge wußte der Hafenmeister hierüber zu berichten. Noch nie sei je ein Abenteurer von dort zurückgekehrt. Lediglich ein Dorf, Unterbaum, gäbe es noch unterhalb der Kargen Höhen. Und diese würde auch nur noch deshalb bestehen, weil es unter dem Schutz eines mächtigen Druiden stünde. Die Dorfbewohner handelten mit Kräutern - es soll sehr gute dort geben - aber die Reise dorthin wäre sehr gefährlich. Mit dem Schiff erreiche man das Dorf in etwas fünf Tagen. Allerdings führe der Weg durch eine Felsschlucht; wer hier in den Fluß falle, wäre verloren, denn zu beiden Seiten des Flußes ragten die Felswände meterhoch senkrecht empor.
Mit dem Pferd komme man wohl etwas schneller voran, aber dieser Weg sei noch gefährlicher, als der Weg über den Fluß.
Schließlich erwähnte der Hafenmeister noch, daß angeblich vor langer Zeit ein Komet des Chaos in die Kargen Höhen niedergegangen sei, der von Moorsleep selbst ausgespuckt wurde. Er läge nun dort und wäre für das ganze Unheil verantwortlich.

Wir bedankten uns bei ihm für seine Informationen und wünschten ihm noch einen schönen Tag. Dann kehrten wir zurück auf unser Schiff.
Den restlichen Nachmittag verbrachten wir damit, den Laderaum gründlich zu reinigen und vom eingedrungenen Unrat zu befreien.

Als am Abend endlich der Laderaum wieder sauber war, waren wir erschöpft, stinkend und schweißgebadet und wuschen uns erst einmal gründlich. Dann gingen wir zum Schneider und holten unsere Kleidung ab.
Es war wirklich ein edler Sonntagsstaat! Alles passte wie angegossen.
Dann verabschiedeten wir uns und gingen zurück zur Morgenes. In Anbetracht unseres finanziellen Enpasses, entschieden wir uns, unter Deck zu Abend zu essen. Tyr kochte gut auf und dann kleideten wir uns alle so edel wir konnten.

Wir waren gerade beim Essen, als ein Seemann bat, das Schiff betreten zu dürfen. Ineluki gab ihm Zutritt und er brachte uns zwei Flaschen besten Kemperbader. "Von einem guten Freund" sagte er nur, dann verschwand er wieder.
Das war wirklich ein gelungener Abend! Wer auch immer es war (vermutlich wohl Luigi), er hatte ein Gespür für den richtigen Moment! Die Flaschen überlebten diesen Abend jedenfalls nicht mehr!

Am nächsten Morgen - nach einem sehr guten und tiefen Schlaf - hatte endlich der Regen nachgelassen und das Schiff konnte repariert werden. Gleich am Morgen kamen die Schiffszimmerer, besahen sich den Schaden und legten los. Auf unsere Frage, wie lange sie den brauchen würden, meinten sie, daß wohl alles bis zum Abend erledigt sein würde.
Wir hatten also einen weiteren freien Tag - und einen weiteren Tag, den uns Etelka voraus hatte!

Viel war nicht mehr zu tun. So gingen wir zum Hafen, füllten unser Proviant auf und kauften Brot und frisches Obst (hier wurden die Trauben noch mit Gold aufgewogen!).
Den restlichen Tag vertrödelten wir - jeder nach seinem gutdünken.

Am Abend zeigten uns die Zimmerer ihre Arbeit. Alles war repariert und die Morgenes war wieder einwandfrei fahrbereit.
Wir bedankten uns bei ihnen und verabschiedeten sie. Dann aßen wir - diesmal etwas einfacher - zu abend und legten uns auch alsbald schlafen.