04. Pflugzeit 2512

Heute erhofften wir endlich zumindest etwas Licht in das Dunkel zu bekommen.
Sora hatte mit Robert am frühen Morgen trainiert und kam gerade zurück. Tyr und ich waren schon fertig als Sora mit Ineluki bei uns herein kamen. Wir wollten gerade frühstücken, da klopfte es an der Tür. Ineluki ging zur Tür und öffnete sie einen Spalt breit.
Draußen stand ein sehr gut gekleideter Mann von bleichem Gesichte mit Schweißperlen auf der Stirn. Wir baten ihn herein.

Er stellte sich als "Friedrich Magirius" vor.
Kaum hatte Ineluki die Tür verschlossen, atmete er erleichtert auf und fing an zu sprechen. Wir wären seine letzte Hoffnung und vermutlich die einzigen in der ganzen Stadt, die ihm helfen könnten, meinte er.

Das ging uns nun doch etwas zu schnell. Schließlich wollten wir erst mal wissen, mit wem wir es denn zu tun hatten.
Er wischte sich den Schweiß von der Stirn, beruhigte sich ein wenig und stellte sich dann als Händler und Mitglied des Stadtrates vor. Das erklärte uns zumindest seine gute Kleidung. Doch wir blieben auf der Hut, gut anziehen konnte sich schließlich jeder der über etwas Geld verfügte.
Dann erzählte er, warum er zu uns gekommen war.

"Die ganze Geschichte begann eigentlich damit, daß Johannes Teugen, dessen Vater einer der mächtigsten und reichsten Händler der Stadt war, von Nuln zurück nach Bögenhafen kam um die Geschäfte zu übernehmen. Johannes hatte sich in Nuln in verschiedenen magischen Fertigkeiten ausbilden lassen, die er nun hier in Bögenhafen nutzen wollte. Er sagte den Händlern, daß Bögenhafen mit seiner Hilfe so mächtig wie Marienburg im Norden werden könne.
Daraufhin hatten die Händler einen Orden gegründet, um Bögenhafen zu einer starken und reichen Handelsstadt anwachsen zu lassen. Damit Johannes sie aber mit seiner Zauberei unterstützen konnte, waren von Zeit zu Zeit magische Rituale notwendig. Leider gab es dabei manchmal einige Komplikationen, aber es ist nie jemand zu Schaden gekommen. Heute Nacht jedoch ist alles anders. Johannes Teugen will in der heutigen Nacht einen neuen Tempel mit frischem, menschlichem Blut weihen. Und genau diesen Mord sollt ihr verhindern!
".

Er schien wirklich verzweifelt. Ich glaube, ihm ist erst jetzt aufgefallen, auf was er sich da eingelassen hatte!
Wir wollten natürlich weitere Einzelheiten wissen: wo der Tempel wäre, welche Mitglieder der Orden hat, warum er mitgemacht hat, warum er zu uns und nicht zur Stadtwache gegangen war und vieles mehr.
Leider wußte er nicht auf alle Fragen eine Antwort. Der Ort des Tempels war geheim und selbst den Ordensmitgliedern wurde der Ort erst kurz vor der Zeremonie bekanntgegeben. Es gab im Orden sieben feste und 42 normale Mitglieder. Wer diese Leute aber waren, wußte er auch nicht, da bei den Treffen alle durch lange Gewänder und Kapuzen verhüllt waren.
Zu Johannes Teugen konnte er nur sagen, daß er seit inzwischen zwei Jahren in Bögenhafen lebte und seit seiner Ankunft tatsächlich Bögenhafen an Macht und Reichtum gewonnen hatte.

Wir waren nach wie vor unschlüssig. Sollten wir ihm glauben? Wir waren noch zu sehr verwirrt vom gestrigen Tage. Wie paßte das nun wieder in unsere Fragen hinein? Was wäre, wenn er uns nur zu etwas anderem benutzen wollte?
Er merkte unsere Unentschlossenheit und bot uns an, ein Schreiben zu bringen, daß seine Glaubwürdigkeit unterstützen würde. Außerdem bot er noch 50 Kronen sofort und weitere 50 bei Gelingen.
Dann ging er fort.

Wir nutzen die Gelegenheit, weiter über sein Angebot zu diskutieren. So richtig entscheiden konnten wir uns jedoch nicht. Tyr war strikt dagegen, Ineluki unbedingt dafür und mir schwirrten noch die ungeklärten Probleme von gestern im Kopfe herum.
Dann kam er zurück und brachte das Schreiben.

Wie auch immer er daran gekommen war, dieses hier gefiel mir überhaupt nicht.
So erging es auch den anderen. Lediglich Tyr überlegte noch, doch plötzlich fiel ihm sein Wolfsring vom Finger und seine Hand schien zu schmerzen.
Irgend etwas war passiert, ich wußte nur nicht was, denn schlagartig änderte auch Tyr seine Meinung und so nahmen wir den Auftrag an.

Magirius war hoch erfreut. Er sagte, daß er uns zu gegebener Zeit über einen Boten informieren würde. Ein weiteres Treffen wäre auf jeden Fall zu gefährlich.
Dann ging er von dannen.

Wir beschlossen die uns bleibende Zeit zu nutzen und noch weitere Erkundigungen einzuholen.
Zunächst gingen wir zur Ärztegilde, holten Lohn und Arbeit für den Tag und fragten nach den Herren Magirius und Teugen.
Friedrich Magirius war tatsächlich im Stadtrat und wurde uns auch so beschrieben, wie wir ihn kennengelernt hatten. Der alte Herr Teugen war ebenfalls im Stadtrat, etwas 50 Jahre alt, sehr gut gekleidet und groß.
Wir bedankten uns und gingen zu Joseph. Er müßte doch eigentlich die ganzen Händler hier kennen.

Und tatsächlich! Joseph war wirklich eine gute Quelle. Er kannte den alten Teugen schon seit einiger Zeit. Er handelt vornehmlich mit Holz, Branntweinen und Metallen. Die Familie Teugen ist nach seinem Wissen sehr reich und mächtig. Sie handeln sogar mit Bretonia. Die Teugens sind alteingesessen und leben schon seit Menschengedenken in Bögenhafen.
Von Johannes Teugen wußte Joseph nur, daß er in Nuln studiert hatte und nun seit zwei Jahren wieder hier in Bögenhafen lebt. Nachdem der alte Teugen schon vor einiger Zeit gestorben war, führte inzwischen Johannes sämtliche Geschäfte.

Nachdem wir wußten, daß heute Nacht hier etwas passieren würde und wir gestern zusätzlich gewarnt worden sind, wollten wir zumindest Joseph in Sicherheit bringen und baten ihn, noch heute abend die Stadt zu verlassen. Doch er ging nicht darauf ein. Er wollte unbedingt erst morgen früh aufbrechen. Wir redeten auf ihn ein, doch so ein Schiffer kann manchmal ganz schon stur sein.
Dann wollten wir mit Gilda sprechen, doch sie war leider in der Stadt.

So gingen auch wir wieder zurück aufs Schafsfest. Vielleicht hatten wir ja Glück und fanden Gilda.
Unterwegs hielt uns ein Bauer an, um uns eine Nachricht zu überbringen. Sie kam erneut von diesem merkwürdigen schwarzen Ritter, den keiner kannte - und wieder wollte er uns warnen, daß wir unbedingt heute abend die Stadt verlassen sollten.

Langsam wurde es uns zu bunt. Ineluki hielt den Bauern am Arm fest, damit er uns zu ihm führe. Schließlich würden wir nun auch gerne eine Nachricht loswerden.
Doch der Bauer konnte sich befreien und verschwand in der Menge.

Verdammt! So nahe dran und wir hätten zumindest das Rätsel um diesen Ritter gelöst. Demnächst sollte besser Tyr Personen in Gewahrsam nehmen. Er ist einfach kräftiger!
Etwas enttäuscht aber nicht entmutigt gingen wir weiter über das Schafsfest um vielleicht doch noch Gilda zu treffen. Sie würde, wenn wir ihr erst einmal den Ernst der Lage geschildert hätten, Joseph schon dazu bringen, früher abzureisen.
Aber das Glück war nicht mit uns, denn wir fanden Gilda nicht.

Was nun? Vielleicht konnte uns Maltusius Zokobaya weiter helfen. Doch als wir zu ihm kamen, wirke er wie verwandelt. Sein Goblin wurde nicht mehr aufgefunden, doch es schien ihn überhaupt nicht mehr zu interessieren!
Wenn man bedenkt, welchen Aufstand er darum gemacht hatte! Welche Summen er uns geboten hatte! Er sagte nur, daß er bereits genug verdient hätte und daher den Goblin nicht mehr so nötig habe.
Hier kamen wir also auch nicht weiter.

Nachdem es Ineluki immer noch nach dem Frühstück übel wurde, wollte ich die Gelegenheit nutzen - nachdem wir jetzt ohnehin nur auf eine Nachricht des Magirius warteten - sie in der Gilde gründlich zu untersuchen.
So gingen wir zurück zur Gilde. Ich erklärte kurz das Krankheitsbild fragte nach einem Behandlungsraum. Man gab mir den Schlüssel und fragte, ob ich Assistenz benötige, doch ich lehnte dankend ab.
Dann ging ich mit Ineluki hinunter.

Das Zimmer war gekachelt und sehr sauber. In der Mitte war ein Tisch mit einigen Decken und mehreren Leintüchern. Daneben stand ein kleines Schränkchen mit allen notwendigen Instrumenten. Die Gilde war wirklich gut ausgestattet!
Ich bat Ineluki sich auszuziehen und auf den Tisch zu legen. Dann begann ich meine Untersuchung. Doch so sehr ich auch suchte, so sehr ich mich bemühte, ich fand einfach nichts. Sie war kerngesund. Diese Übelkeit war ein Phänomen, daß ich mir einfach nicht erklären konnte.

Also zog sie sich wieder an und wir gingen zurück zu den anderen.
Inzwischen hatten wir alle etwas Hunger und so ließen wir uns ein paar Leckereien aufs Zimmer kommen. Wir hatten gerade kräftig zugelangt, da klopfte es mal wieder an der Tür.
Ineluki öffnete vorsichtig, aber es war nur ein Bote, der uns eine Nachricht von Magirius brachte. Wir dankten ihm - ich glaube Ineluki gab ihm auch ein paar Schilling - und aßen erst mal weiter.

Nachdem wir fertig gespeist hatten, machten wir uns bereit und gingen zum beschriebenen Treffpunkt - seinem Haus.
Die Straße war nicht allzu schwer zu finden. Es lag in der feineren Gegend der Stadt - alles andere wäre auch sehr merkwürdig gewesen. Dort fragten wir dann einfach einen Passanten, der uns das Haus von Magirius zeigte.

Das Haus war recht hübsch: eingefaßt von einem gut gepflegten Garten lag es wie ein Edelstein in der Mitte. Die Fassade war wohl getüncht und der Eingang war eine prächtige alte aber massive Holztüre. Es war ganz eindeutig das Anwesen eines reichen Händlers!
Nichts deutete auf eine Absonderheit hin, aber dennoch blieben wir vorsichtig. So wollten nur Sora, Tyr und ich hineingehen, während Ineluki im Garten bleiben sollte.

Wir klopften kaum, da stand schon ein Bote vor der Türe und bat uns herein. Nachdem wir eingetreten waren, nannten wir unser Anliegen und er führte uns nach oben. Dabei schauten wir uns etwas um.
Innen sah es kaum schlechter aus als außen. Holzgetäfelte Wände, einige Bücher, kostbare Möbel, einfach alles was man sich nur vorstellen konnte. Oben angekommen war alles genauso edel wie unten - dies war wirklich ein wohlhabender Händler.
Der Bote führte uns an eine Türe und sprach "Ihr werdet erwartet.". Bevor wir uns noch bedanken konnten, war er schon wieder verschwunden.
Wir klopften an, doch als sich niemand rührte, traten wir ein. Es war ein großen Raum, von der Aufmachung her ein Arbeitszimmer: ein Eichenschrank, eine unübersichtliche Menge an Büchern und Kladden und ein massiver, großer Arbeitstisch.

Etwas stimmte nicht an diesem Raum und es dauerte nicht lange, bis wir darauf kamen. Der Stuhl hinter dem Arbeitstisch war umgefallen!
Sofort war Tyr hinter dem Tisch - und rief mich. Ich lief zu ihm und sah - mir blieb die Luft weg - Magirius mit durchgeschnittener Kehle am Boden liegen. Auf dem Boden hatte er noch mit letzter Kraft mit seinem eigenen Blut die Buchstaben L G H S 13 geschrieben. Tyr kam sofort darauf: Lagerhaus 13 - hier also sollte der "Tempel" geweiht werden.

Aber uns blieb keine Zeit für weitere Überlegungen. Schon hörten wir Rufe "Mörder! Mörder! Die Mörder sind noch im Haus!"" Wir sahen kurz aus dem Fenster und bemerkten zehn Wachen, die auf das Haus zuliefen. In dem Moment erschien aus dem Nichts wieder der Bote und sprach mit tiefer und gar nicht mehr botenhafter Stimme zu uns: "Ihr hättet euch besser aus den Dingen heraus gehalten. Nun seht ihr, was ihr davon habt!". Dann lachte er und verschwand so wie er gekommen war.

Vielleicht war es noch nicht zu spät! Wir rannten durch einen Hinterausgang aus dem Haus, durchquerten den hinteren Teil des Gartens bis wir an einen Zaun kamen. Hinter und hörten wir, wie Wachen ins Haus liefen und weitere Befehle erteilt wurden.
Zum Glück war am Zaun ein Baum, den wir sofort erkletterten um uns auf der anderen Seite wieder herab zu lassen. Einer der Wachen bemerkte und dabei jedoch und rief: "Da sind sie! Haltet sie!". Doch auf der anderen Seite angekommen nutzten wir die allgemeine Aufregung und mischen uns unter das Volk - es hatte uns ja zum Glück keiner genau gesehen.

Ineluki trafen wir auch auf der Straße wieder - sie war schlau genug gewesen, sofort das Grundstück zu verlassen, als es gefährlich wurde.
Ganz wohl war uns dennoch nicht in unserer Haut und so gingen wir schnellen Schrittes zurück zur Herberge, um uns unsere Sachen zu holen und zu zahlen. Damit es schneller ging, teilten wir uns auf: Ineluki holte die Sachen, während ich zahlte. Tyr und Sora paßten draußen auf.
Es dauerte schier endlos lange, bis die Dame am Eingang ihre Summe zusammengezählt hatte. Inzwischen war Ineluki schon wieder zurück und holte die anderen.
Dann endlich konnte ich zahlen und wir verschwanden durch den Hinterausgang.

Es gab eigentlich nur noch einen Ort wo wir hin konnten: Josephs Schiff. Hier könnten wir uns erst mal verstecken.
Plötzlich hören wir Rufe: "Brandstifter!" und mehrere Leute deuten auf Sora.

So ein Mist! Das uns das auch noch passieren mußte. Dieses Wesen konnte wirklich jede Person täuschend echt imitieren. Damit saßen wir ziemlich in der Patsche, denn wem konnten wir nun noch trauen? Aber viel Zeit uns darüber Gedanken zu machen hatten wir nicht!
Sora zog erst mal die Kapuze tief ins Gesicht und wir rannten durch die verwinkeltsten Gäßchen davon, bis wir schließlich ins Handwerkerviertel kamen.

Wir waren ziemlich außer Atem! Zum Glück gab es hier einige Kneipen, so daß wir erst mal verweilen wollten. In der ersten Kneipe fielen wir allerdings unangenehm auf: das Gespräch verstummte und alle Blicke wendeten sich uns zu. Bevor allerdings noch jemand weitere Fragen stellen konnte, zogen wir uns die Kapuzen noch etwas tiefer und verschwanden.
Die nächste Kneipe war da schon viel besser. Laut und jovial ging es hier zu - wir fanden kaum noch einen Platz zum sitzen. Schließlich fanden wir doch noch eine Ecke, wo wir uns auf den Schreck erst mal etwas zu essen und zu trinken gönnten.

Beim Essen überlegten wir, wie denn einem Wesen beizukommen wäre, das jede Person täuschend echt nachmachte. Wir konnten uns schließlich nicht mal auf uns selbst verlassen!
Nach kurzer Zeit fanden wir aber die Lösung: eine Parole. Ineluki wählte eine aus ihrer Sprache: "Ziambra linget". Ich weiß nicht mehr genau, was es bedeutete, aber es hatte irgend etwas mit ihren Ahnen zu tun.

Wir blieben bis zum Abend in der Kneipe, unterhielten uns und tranken weiter. Als es dunkel war zahlten wir und gingen zu den Lagerhäusern. Es waren zwar noch ein paar Menschen unterwegs, doch wir fielen nicht weiter auf.
Schnurstracks bewegen wir uns zum Lagerhaus mit der Numero 13. Es war ein rechteckiger, einstöckiger einfacher Fachwerkbau. Von innen hörten wir gedämpft einige Stimmen. Aber leider verstanden wir nichts, sie waren einfach zu leise.

Tyr warf leise ein Seil hoch aufs Dach, prüfte ob es hielt und kletterte dann behende wie eine Katze am Seil hinauf.
Nach kurzer Zeit kam Tyr wieder zurück. Er meinte, daß ein Durchschlupf durch das Dach möglich wäre, allerdings müßten zuvor einige Ziegel abgedeckt werden. Dazu gab ich ihm meinen Mantel, damit er die Ziegel hineinlegen und später mit abseilen konnte. So würde die ganze Aktion lautlos von statten gehen.

Leider fiel Tyr bei seinem Vorhaben gleich zweimal vom Dach, glücklicherweise ohne daß ihm dabei allzuviel passiert war. Doch es war jedesmal ein nicht unbeträchtlicher Lärm.
Dennoch hatten wir Glück und niemand hörte ihn.

Bald war die Öffnung war geschaffen, so daß wir nun alle schleunigst hoch kletterten (naja, eigentlich waren nur Tyr und Sora geklettert, Ineluki und ich wurde von den beiden hoch gezogen, da wir leider beide nicht klettern konnten).
Oben angekommen schauten wir uns kurz um, doch dieses Stockwerk war menschenleer. Die Stimmen kamen alle von unten. Es gab lediglich drei Räume, die über einfache Durchgänge miteinander verbunden waren. Türen gab es keine. Der Boden bestand aus groben Holzdielen, die so schlecht aneinander gefügt waren, daß wir leicht nach unten durchsehen konnten.

Wir bewegten uns leise in den Raum, der zur Treppe nach unten am nächsten war. Dann hörten wir auf einmal Hufgetrappel. Die Gäste kamen wohl!
In dem Moment meinte Tyr noch, daß eine Parole eigentlich auch eine Antwort bräuchte. Daß wir da nicht früher drauf gekommen sind! Natürlich hatte er recht!
Schnell einigten wir uns auf Akhorahil, auch einem elfischen Wort.

Dann schaute ich nach unten und wußte, daß wir richtig waren.
Am Boden des Raums war ein Kreis, dem Schimmer nach aus Kupfer um ein Pentagramm gezeichnet. An allen fünf Ecken standen silberne Kerzenhalter mit schwarzen Kerzen. Das Pentagramm selbst war weiß, vermutlich Zucker oder Mehl.
Um das Pentagramm herum standen sechs Personen, bekleidet mit weißen Roben und Kapuzen, die sie alle tief ins Gesicht gezogen hatten. Auf den Kapuzen war ein Tierkopf mit einem Stern zu sehen.

Genau wie es uns Magirius beschrieben hatte! Niemand kannte den anderen!
Aber das schlimmste kam noch. In der Mitte dieses Kreises stand eine siebte Person vor einem jungen, soweit ich beurteilen konnte sehr hübschen und vor allem ausgesprochen nackten Mädchen, die vor ihm gefesselt auf dem Boden lag! Ihr Gesichtsausdruck war schreckensbleich und voller Angst.

Dann fing die Person in der Mitte auf einmal in einer Sprache an zu singen, die ich noch nie gehört hatte. Aber irgendwie hörte es sich nicht gut an. Ich bemerkte, wie Ineluki auf einmal blaß wurde.
Dann ging er an den Rand des Kreises und führte den Dolch nach und nach durch jede der Kerzen an den Ecken des Pentagramms.

Langsam wurde es brenzlig. Wir mußten etwas tun!
Da rief Tyr Sora zu, sie solle einen Pfeil durch die Ritzen auf den Mann schießen. Zunächst war ihr nicht so recht geheuer, doch als die Person schließlich den Dolch durch die fünfte Kerze geführt hatte und wieder zurück zu dem Mädchen ging, tat sie wie geheißen und schoß.
Sora traf den Mann im Arm, so daß er seinen Dolch fallen ließ. Soweit so gut. Doch dann überstürzte sich alles.

Kaum war der Dolch am Boden, löste sich einer der sechs Gestalten am Kreisrand, nahm die Kapuze herab und zeigte sich.
Jetzt wurde uns plötzlich ganz anders zumute, denn unter der Kapuze kam kein Mensch, sondern ein geflügeltes Wesen, ein Dämon zum Vorschein! Es hatte einen ziemlich kleinen Kopf mit stechend roten Augen, eine lederne Haut, fledermausartige Flügel und schien sehr wütend.
Ich rannte auf die andere Seite des Raumes, währen Tyr aus dem Raum zur Treppe stürmte. Ineluki und Sora waren noch von dem Anblick geschockt.
Aber auch im unteren Raum brach Panik aus. Das hatten sich die Herren Händler wohl nicht gedacht, daß sie sich mit einem Dämon eingelassen hatten! Auf einmal wollte jeder so schnell wie möglich das Weite suchen.

Und dann wurde es heiß! Ich sah noch wie sich in den Krallen des Dämons eine Art Feuerkugel bildete. Dann zeigte er auf Sora und schoß die Kugel hoch. Sie explodierte zwar am Gebälk, aber durch die Ritzen kam noch genug Hitze, um einige Brandverletzungen zu verursachen.
Tyr und ich rannten so schnell wir konnten die Treppe hinab. Unten angekommen sahen wir, wie gerade die fünf anderen das Lagerhaus laut schreiend verließen. Vor uns war nur noch der Dämon und der "Priester" mit dem Dolch - ich vermutete Johannes Teugen.
Als auch dieser davon rennen will, werfe ich ihm ein Messer hinterher. Leider verfehlte ich!

Inzwischen hatte Tyr den Kampf gegen den Dämon aufgenommen.
Es war ein harter und erbitterter Kampf. Ich sah noch wie Tyr den Dämon am Arm traf, woraufhin dieser sein eigenes Blut trank! Aber geschwächt von dem Schlag gelang es Tyr noch einmal zuzustoßen und dem geflügelten Wesen endgültig den Garaus zu machen.

Ich war inzwischen Teugen hinterher gelaufen. Er war ziemlich schnell und ich mußte mich sputen, um an ihm dran zu bleiben.
Wir waren einige hundert Schritt gelaufen, da bildete sich auf einmal eine Art schwarze Nebelwand um Teugen. Ich blieb stehen, denn auch dieser Nebel um Teugen bewegte sich nicht mehr weiter. Mir war sehr unheimlich zumute und ich bekam eine panische Angst.
Bald hielt ich es nicht mehr aus und lief so schnell ich konnte zurück. Hinter mir hörte ich einige markerschütternde Schreie und dann eine fast unnatürliche Stille.

Göttin Shallya steh mir bei! Ich hatte mich noch nie so klein gefühlt!
Mit rasendem Herz kam ich zurück zum Lagerhaus, wo wir uns alle wieder trafen.
Ineluki ging zu dem Dämon und schob seinen Kopf aus dem Pentagramm - wer weiß, vielleicht hatte es ja etwas zu bedeuten. Tyr ging zu dem inzwischen bewußtlosen Mädchen und schnitt ihr die Fesseln durch. Dann hob er sein Schwert und trennte ihr den Kopf ab!

Fassungslos schauten wir alle zu Tyr! War er nun endgültig von allen guten Geistern verlassen? Wir stürmten auf ihn ein doch er sagte, er hätte einen Dämon gesehen und das Mädchen wäre besessen gewesen.
Wohl war uns allen nicht dabei, aber was wollten wir tun? Zunächst einmal mußten wir hier weg. Der Dachstuhl brannte bereits und sehr bald würden hier wieder Wachen auftauchen, denn wir nicht unbedingt erklären wollten, was hier vorgefallen war.

Also gingen wir in Richtung Hafen, denn Josephs Schiff war immer noch die sicherste Bleibe für uns.
Unterwegs warfen wir noch einen Blick nach oben: der Mond hing längst nicht mehr so tief über der Stadt und es schien mir, als läge eine Trauer in seinem Gesicht. Geradeso als hätte er einen Verlust hinnehmen müssen. Ich konnte mir ein Lächeln nicht verkneifen.
Leider ging es Ineluki gar nicht gut. Sie schleppte sich mit letzter Kraft zum Schiff, denn ihr war schon wieder speiübel.

Doch schließlich erreichten wir den Hafen und damit auch die Berebelli.
Auf dem Schiff war es ruhig und so gingen wir erst mal unter Deck. Dort erzählte Ineluki uns, daß Tyr als er den Dämon getötet hatte, dessen Kopf abgeschlagen und seine Augen ausgestochen hatte. Tyr schaute sie ganz verständnislos an - er wußte hiervon nichts mehr.
Langsam machte mir die Gedächtnisschwäche von Tyr ernsthafte Sorgen, doch mir fiel leider nichts ein, was man dagegen machen konnte.

Dann kümmerte ich mich erst mal um die Brandwunden von Sora und Ineluki. Sora hatte Glück gehabt, doch Ineluki hatte es ziemlich erwischt, so daß ich ihr neben der Salbe noch einen Verband machte.
Wir waren alle noch munter und aufgekratzt und diskutierten unser Erlebnis. Da fiel uns auf einmal der Raum in der Kanalisation ein. Auch hier war ein Pentagramm aufgezeichnet und ein Dämon war Tyr und Sora erschienen.
Noch berauscht von unserem Sieg beschlossen wir noch einmal herunter zu steigen und auch dort das Böse zu vernichten.

Gesagt, getan. Wir gingen also zu dem bekannten Einstiegspunkt und steigen hinab.
Plötzlich hörten wir Wachen. Scheinbar hatten sie Sora, die als letzte hinab gestiegen war, gesehen und kamen nun her. Es blieb uns keine andere Wahl, als tiefer in die Kanalisation hineinzugehen und zu warten. Es stank furchtbar!
Wir hörten wie sich die Wachen oben unterhielten. Dann plötzlich Schritte und ein Fackelschein. Einer der Wachen kam hinab! Wir verkrochen uns hinter der nächsten Biegung und hofften, daß er nicht allzu weit vorkommen würde.
Er ging einige Schritte, rief uns etwas zu, fluchte, daß es so schrecklich stinken würde und fragte schließlich seinen Vorgesetzten, ob er wieder herauf kommen dürfte. Wir hörten eine Antwort, verstanden sie aber nicht. Die Wache brummelte, ging noch einige Schritte in unsere Richtung, leuchtete mit der Fackel und ging dann endlich zurück.

Puh, das war knapp. Viel hatte nicht mehr gefehlt und er hätte uns entdeckt.
Als er schließlich oben war, folgte ihm Tyr, um vielleicht noch etwas von ihrem Gespräch aufzufangen. Dabei hörte er, daß Josephs Schiff inzwischen auch bewacht wurde.

So ein Mist! Das hatte uns gerade noch gefehlt. Doch damit würden wir uns später beschäftigen und so setzten wir unseren Weg fort, nachdem wir aus Wachs und den Resten meines Hemdes eine Fackel geformt hatten.
Tyr ging voran, da er sich noch am besten an den Weg erinnern konnte. Nach einiger Zeit stieg uns ein seltsamer Geruch in die Nase, aber wir konnten nichts ungewöhnliches erkennen. So gingen wir vorsichtig weiter.

Plötzlich - ein lauter Knall. Vor Schreck fiel ich in die Kloake. Der furchtbare Gestank umschloß mich nun völlig; es war einfach gräßlich.
Ich rappelte mich wieder auf und wir setzten unseren Weg fort. Nach einiger Zeit kamen wir vor eine Tür. Hier war das geheimnisvolle Zimmer.

Die Tür war natürlich verschlossen. Doch Tyr brach eine Öffnung hinein, durch die wir hindurch schlüpfen konnten.
Aber der Anblick war enttäuschend. Kein Pentagramm, kein Dämon, einfach nichts mehr. Es war lediglich ein leerer Schrank und eine abgebrannte Fackel an der Wand. Erst nach näherer Untersuchung fanden wir ein paar Kupferspäne und etwas Salz am Boden.
Die gleichen Materialien wie in der Lagerhalle! Also doch! Es war der richtige Raum, wir waren nur zu spät. Dieser Raum diente nicht mehr als Tempel. Unsere nächtliche Aktion war also umsonst - und ich stank wie ein Barbar!

Nachdem nichts mehr zu finden war, gingen wir an unseren Ausgangspunkt zurück. Der Aufstieg gestaltete sich allerdings als schwierig, da wir alle inzwischen feuchte und schwitzige Hände hatten. Tyr hatte insgesamt sogar dreimal den Halt verloren und war wieder abgestürzt, bis er endlich oben war. Er war ganz schön angeschlagen, doch Ineluki holte aus ihrem Beutel eine alte Schriftrolle, las sie vor und wie durch ein Wunder heilten einige der Verletzungen und Tyr ging es wieder besser.
Dann hörten wir eine Patrouille und wir liefen so verdeckt wie möglich in Richtung Schiff.

Am Hafen erwies sich das von Tyr belauschte Gespräch als wahr. Vor der Berebelli standen fünf Wächter und bewachten den Zugang. Hier kämen wir jedenfalls nicht hinein.
Was nun? Es blieb eigentlich nur eine Alternative: wir mußten von Flußseite her einsteigen. Also schlichen wir uns ein Stück weg von der Berebelli und suchten ein Ruderboot. Es dauerte nicht lange, da hatten wir ein geeignetes gefunden. Wir stiegen lautlos ein und Sora ruderte uns so leise es eben ging an die Berebelli heran.
Zum Glück bemerkte uns niemand. Bald schon waren wir an der Bordwand der Berebelli. Tyr zog sich hoch und half uns anderen beim Einstieg.
Meine Klamotten hatte ich allerdings lieber gleich im Fluß gelassen - die stanken mir einfach zu sehr!

Ich ging sofort unter Deck und wusch mich so gründlich ich konnte. Schließlich wollte ich ja nicht das ganze Schiff verpesten.
Dann legten wir uns alle hin und schliefen. Es war ein wahrhaft aufregender Tag!