02. Pflugzeit 2512

Am nächsten Morgen ließen wir uns unser Frühstück aufs Zimmer bringen. Wir unterhielten uns noch etwas über den gestrigen Kampf. Tyrs Wunden waren zum Glück schon wieder verheilt.
Nach dem Frühstück gingen Ineluki und ich zur Gilde um unseren Lohn abzuholen und nach Arbeit für den Tag zu fragen. Es würde - zumindest für mich - ein ruhiger Tag werden, denn es gab nichts zu tun.
Ineluki dagegen bekam wieder einige Schriftstücke zur Übersetzung mit.

Kaum waren wir wieder zurück, klopfte es an der Tür. Es war Maltusius Zokobaya.
Wir baten ihn herein.
Ich dachte schon, er wollte uns erneut anklagen oder beschimpfen aber nichts dergleichen geschah. Er bat uns, seinen toten Goblin aus dem Lagerhaus zu holen, da er ihm auch tot noch einiges bedeute.

Auf einmal wurde Ineluki ganz bleich und lief aufs stille Örtchen. Die Geräusche die sie verursachte, waren allerdings nicht ganz so still.
Nach einiger Zeit kam sie wieder zu uns.

Maltusius bat uns eindringlich ihm zu helfen. Wir diskutierten eine Weile. Schließlich, bei einem Gebot von 35 Kronen und einem freien Eintritt in sein Zelt schlugen wir ein.
Er erzählte uns, daß der Goblin in den östlichen Lagerhallen in der Halle Numero vier gefunden worden sei. Angeblich habe die Familie Steinhäger den Goblin beiseite geschafft und in den Kanal geworfen. Er glaube dieser Geschichte jedoch nicht und denke, ein Wächter hat den Goblin an sich genommen um damit Geld zu verdienen.

Wir unterhielten uns noch etwas über den Goblin, seine Vermutungen und ihn, bis er uns schließlich verläßt.
Bevor wir jedoch zu besagtem Lagerhaus gingen, wollten wir noch etwas einkaufen. Also schlenderten wir auf den Markt.

Unser erstes Ziel war der Waffenhändler. Er war uns vom Besitzer der Herberge empfohlen worden und schien wirklich keine schlechte Ware zu haben.
Tyr und Sora deckten sich entsprechend ihren finanziellen Möglichkeiten (mit etwas Unterstützung) ein.

Dann gingen wir zu den Lagerhäusern. Unterwegs besorgte Tyr in einer Kneipe noch eine Flasche billigen Schnaps.
Dort angekommen fanden wir uns leicht zurecht: die Lagerhallen waren aufsteigend numeriert, so daß wir bald das richtige fanden.
Davor stand ein Wächter. Allerdings wirkte er schon leicht angetrunken, denn er schwankte wie ein Baum im Wind.
Tyr deutete uns an, allein mit dem Wachmann sprechen zu wollen. Er nahm die Flasche Fusel und wankte zu dem Wächter.
Bei ihm angekommen unterhielten sich die beiden eine Weile, wobei wir leider nichts verstanden. Dazu waren wir zu weit von ihnen entfernt. Ich bemerkte lediglich, daß Tyr dem Wächter ständig die Flasche zu trinken gab.

Nach einiger Zeit kehrte Tyr zurück. Er erzählte uns kurz was er aus dem Wächter herausbekommen hatte. Es war ziemlich enttäuschend. Der Wachmann hielt sich zwar für den Helden, aber er hatte dem Goblin ganz gewiß nichts angetan. Nach Tyrs Schilderung dürfte es nur wenige Momente im Leben des Wächters gegeben haben, in denen er nicht unter Alkoholeinfluß stand. Mehr bekamen wir hier zumindest nicht heraus.

Also gingen wir wieder zurück auf den Markt, schlenderten an den Ständen vorbei, bis wir schließlich bei Maltusius Zokobaya und seinen Monstrositäten ankamen.
Wir erzählten ihm was wir erfahren hatten und versicherten ihm, daß dieser Wächter den Goblin bestimmt nicht eingesteckt hatte.
Doch Maltusius ließ nicht locker. Er wollte den Goblin unbedingt wieder haben. Er redete solange auf uns ein, bis wir einwilligten, noch einmal im Lagerhaus nachzusehen.
Dann wollte er uns seine Vorstellung zeigen.

Wir gingen also in sein Zelt. Innen waren vier Käfige mit erbärmlichen Gestalten.
Im ersten Käfig war ein winselnder Hund mit nur einem Auge. Ich war mir ziemlich sicher, hier hatte jemand nachgeholfen! Angewidert ging ich weiter.
Auch der zweite Käfig war nicht viel besser. In diesem war ein völlig verwilderter Jugendlicher, über und über mit Haaren bedeckt. Er knurrte und an.
Schnell gingen wir weiter. Der dritte Käfig enthielt wieder einen Hund. Dieser jedoch hatte kein Fell mehr und seine Haut war verknorpelt. Inzwischen war ich froh, daß hier nur vier Käfige standen.
Im Letzen schließlich war eine Ziege mit zwei Köpfen. Es war das einzige, wirklich etwas absonderliche Wesen. Die anderen waren für mich nur bemitleidenswerte Kreaturen.

Beim Hinausgehen fragte uns Maltusius noch, wie uns seine "gefährlichen Monster" gefallen haben. Wir antworteten kurz angebunden und gingen wieder auf den Markt. Unterwegs diskutierten wir noch über die Wesen und vor allem über diesen Maltusius. Wir hätten diesem Mann das Handwerk legen sollen, aber letzten Endes taten wir nichts.

Auf dem Marktplatz fanden wir unsere Stimmung wieder. Schließlich wollten wir noch nach Kräutern schauen.
Unterwegs hörten wir das Geplapper eines dieser "Weltuntergangspriester". Natürlich sind dies keine echten Priester, aber furchteinflößend sind sie trotzdem.
Kaum gingen wir an ihm vorüber, zeigte er plötzlich auf Tyr und mich und warnte alle Umstehenden mit eindringlicher Stimme vor uns. Mir wurde ganz anders. Die ersten Leute gingen ein paar Schritte zur Seite.
"Das sind die Diener des Chaos!" rief er aus. Zum Glück kamen bald ein paar Wachen und zerstreuten die Menge. Mir hallten noch lange seine Worte nach.

Tyr wischte das "Geschwätz" mit einer Handbewegung fort und schlug vor etwas zu essen. Sofort besserte sich unsere Laune. Auf dem Markt gab es eine Vielzahl an Leckereien, so daß es uns nicht schwer fiel, etwas passendes zu finden.
Nach dem Imbiß suchten wir die Kräuterhändlerin auf. Ich schaute mir ihre Ware an und unterhielt mich lange. Sie hatte wirklich ein gutes Angebot - zumindest wenn man danach fragt. Ansonsten verkaufte sie auch mal ein Wässerchen, dessen einzige Wirkung im Glauben des Käufers lag.
Aber sie war eine freundliche, fachkundige Frau mit der ich mich gerne unterhielt. Letzten Endes kaufte ich dennoch nichts, da ich noch über ausreichend Kräuter verfügte.

Bald wurde es Abend und wir gingen zurück in die Herberge. Ich wollte noch für ein paar Stunden in die Gilde, um noch etwas mehr über Kräuter zu erfahren. Die Bibliothek war immer einen Besuch wert.
Dort angekommen bat man mich, doch auch etwas zur Sammlung beizutragen und eine kurze Abhandlung zu schreiben. Ich folgte der Bitte selbstverständlich und fertigte einige Schriften über die Heilung der verschiedenen Erkältungskrankheiten an. Über diese sehr weit verbreiteten Krankheiten gab es hier nur wenig Informationen, fand ich.
Danach las ich noch in einigen Büchern über mir bis dahin noch unbekannten Kräutern.

Später unterhalte ich mich noch mit einigen Schülern und Ärzten und gehe schließlich recht spät zurück zur Herberge.
Es mußte wohl um 9 Uhr sein, als ich zurück kam. Tyr stand noch an der Bar und trank etwas. Ich aß zu Abend, verabschiedete mich und ging nach oben. Ich war hundemüde.

Sehr viel später, ich war längst eingeschlafen und es war bestimmt schon nach Mitternacht, hörte ich neben mir einen dumpfen Plumps. Das dürfte wohl Tyr gewesen sein, der mal wieder eine Nacht durchgezecht hatte, dachte ich noch. Dann schlief ich sofort wieder ein.